Am Dienstag ist der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj überraschend zu Gesprächen mit Kanzler Friedrich Merz nach Berlin gereist. Der Zeitpunkt des Treffens ist brisant: Bereits am 10. und 11. November sollen Vertreter der Ukraine, Russlands und der USA in Abu Dhabi zusammenkommen.
Bei den Gesprächen soll es darum gehen, den Weg zu einem Ende des Ukrainekriegs auszuloten. Im Mittelpunkt sollen laut dem US-Gesandten Steve Witkoff "Sicherheitsvereinbarungen für die Zeit nach dem Krieg, Deeskalation, humanitäre Maßnahmen sowie weitere Schritte auf dem Weg zum Frieden" stehen.
Bei seinem Treffen mit Merz möchte Selenskyj vor allem die europäische Beteiligung an den bevorstehenden Verhandlungen besprechen. Deutschland spielt dabei eine wichtige Rolle, da die europäischen Staaten darauf drängen, bei möglichen Vereinbarungen über die Zukunft der Ukraine nicht außen vor zu bleiben.
Auch konkrete militärische und wirtschaftliche Hilfen stehen auf der Tagesordnung. Wie Selenskyj nach seiner Ankunft mitteilte, will er mit Merz über die ukrainische Flugabwehr sowie Unterstützung für die schwer belastete Energieversorgung sprechen.
Merz betont in einem gemeinsamen Statement die Wichtigkeit der Unterstützung für die Ukraine. Der Kanzler sagt unter anderem die weitere Unterstützung bei der Luftabwehr zu, sowie Winterhilfen und Hilfe bei der Energieversorgung.
Dabei nimmt der Kanzler europäische Partner in die Pflicht. "Es ist im deutschen und europäischen Interesse, dass wir die Ukraine unterstützen. Der Krieg betrifft uns auch direkt", so Merz. Bei einem "Gipfel der Willingen" mit Frankreich und Großbritannien sollen am 15. November weitere Hilfen koordiniert und diplomatische Bemühungen abgestimmt werden.
Ein zentraler Streitpunkt bleibt die Rolle der europäischen Staaten bei möglichen Friedensverhandlungen mit Russland. Die Europäer wollen in die Gespräche eingebunden werden. "Europa will und muss eine Rolle spielen", so Merz. "Sanktionen und zentraler Frieden ist nur mit Europa möglich."
Auch Selenskyj betont, dass Europa zum Friedensprozess dazu gehört. Zudem kündigte der ukrainische Präsident an, sechs weitere Verhandlungscluster eröffnen zu wollen, um einen EU-Beitritt für die Ukraine voranzutreiben.
Im Dezember findet der G20-Gipfel im US-Bundesstaat Miami statt. Trump hatte zuvor mit dem Gedanken gespielt, Kreml-Chef Wladimir Putin einzuladen. Dazu gibt es eine klare Forderung von Merz: "Wenn Trump Putin einlädt, muss zuerst über die Ukraine gesprochen werden und dann muss selbstverständlich Selenskyj auch dabei sein. Alles andere ist nicht akzeptabel."