Ein schwerer Schlag gegen Russlands Ölindustrie: In der Nacht auf Sonntag haben ukrainische Drohnen offenbar eine der größten Raffinerien des Landes getroffen. Die Anlage in Kstowo, östlich von Moskau, wurde erheblich beschädigt. Besonders brisant: Dort wird auch Treibstoff für die russische Armee produziert.
Der Gouverneur der Region Nischni Nowgorod, Gleb Nikitin, bestätigte einen massiven Drohnenangriff. Ein Industrieunternehmen im Bezirk Kstowo habe "erheblichen Schaden erlitten", erklärte er. Mehr als 100 Drohnen seien zerstört worden. Tote oder Verletzte soll es nicht gegeben haben.
Ukrainischen Medien zufolge war die Ölraffinerie Lukoil-Nizhegorodnefteorgsintez Ziel des Angriffs. Die Anlage zählt zu den größten Raffinerien Russlands und kann jährlich rund 17 Millionen Tonnen Rohöl verarbeiten.
Dort werden mehr als 50 verschiedene Produkte hergestellt, darunter Diesel und Flugtreibstoff, der laut ukrainischen Angaben auch für die russischen Streitkräfte bestimmt ist. Die Raffinerie beliefert zudem die Region Moskau, auf die knapp 30 Prozent des russischen Benzinverbrauchs entfallen.
Anwohner berichteten nach dem Angriff von Explosionen. Wie stark die Produktion durch die Attacke beeinträchtigt wurde, ist bisher unklar.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, in der Nacht insgesamt 235 ukrainische Drohnen abgeschossen zu haben. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht.
Die Raffinerie geriet bereits mehrfach ins Visier der Ukraine. Im April, Mai und August 2026 wurde die Anlage mit Drohnen angegriffen. Der jüngste Angriff wäre damit bereits der vierte in diesem Jahr.
Mit ihren Attacken auf russische Ölraffinerien versucht die Ukraine, die Einnahmen des Kreml aus dem Energiegeschäft zu schmälern und die Versorgung der russischen Streitkräfte zu schwächen.
Die Angriffe sorgen allerdings auch in Washington für Ärger. US-Präsident Donald Trump hatte Kiew zuletzt scharf kritisiert. Er macht die Attacken auf russische Raffinerien für steigende Energiepreise in den USA und weltweit mitverantwortlich.
Für Trump ist das besonders heikel: Am Dienstag (3. November) stehen in den USA die Zwischenwahlen an. Hohe Spritpreise könnten seiner Partei schaden.
Trotz der Kritik aus Washington setzt die Ukraine ihre Angriffe auf Russlands Ölindustrie offenbar fort. Die Raffinerie in Kstowo ist dabei ein besonders wichtiges Ziel: Sie produziert nicht nur Treibstoff für den zivilen Verbrauch, sondern laut ukrainischen Angaben auch für Russlands Kriegsmaschinerie.