Nobelpreisträger packt aus

"Putin kennt euren wahren Wert – und lacht nur laut"

Dmitri Muratow sagt, Putin nehme westliche Wertepredigten nicht ernst – weil Europa früher weiter Geschäfte mit Moskau machte.
Newsdesk Heute
17.08.2026, 07:15
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So kritisch der russische Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow auch seiner eigenen Regierung gegenüber ist, so macht er sich doch kaum Illusionen über den Westen. Er zeichnet gegenüber BBC ein bitteres Bild von Wladimir Putins Blick auf westliche Staats- und Regierungschefs.

Der Kremlchef nehme Appelle aus Europa zu Menschenrechten und demokratischen Werten demnach nicht ernst – auch, weil der Westen lange wirtschaftliche Interessen über politische Grundsätze gestellt habe.

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Der frühere Chefredakteur der "Nowaja Gaseta", Dmitri Muratow, vor dem Moskauer Stadtgericht nach einer Anhörung im Fall Oleg Roldugin im Mai 2026.
IMAGO/SNA

In einem Interview mit der BBC sagte Muratow über Putin: "Er kennt den wahren Wert europäischer Staats- und Regierungschefs sehr genau". Während diese mit ihm über Menschenrechte gesprochen hätten, seien gleichzeitig Geschäfte mit Russland abgeschlossen worden – etwa über Öl, Gas und Diamanten.

Die westlichen Werteappelle seien daher keine glaubwürdige Linie, sondern Doppelmoral: "Wenn sie mit Putin über europäische Werte sprechen, lacht er wirklich laut auf", sagte der Journalist. "Er kennt den wahren Wert der Menschen, die ihm diese Werte predigen."

Ebenfalls schonungslos geht der frühere Chefredakteur der "Nowaja gaseta" mit dem Kreml ins Gericht. Er kritisiert die russische Führung scharf für den Krieg gegen die Ukraine und die Unterdrückung kritischer Stimmen im eigenen Land. Zugleich macht er klar, dass Putin aus seiner Sicht auch deshalb so selbstsicher auftreten könne, weil Europa lange an wirtschaftlichen Verbindungen zu Russland festgehalten habe.

Fest im Sattel

Die Aussage fügt sich in Muratows Gesamtanalyse ein: Putin könne im Ukraine-Krieg keinen echten Sieg mehr beanspruchen, halte aber weiter fest an Macht, Kontrolle und der Erzählung russischer Stärke. An eine kolportierte Spaltung der russischen Elite glaubt er nicht. Sie hätten zuviel Angst. Jeder echte Widerstand werde von Putin mit Unterstützung des Inlandsgeheimdienst FSB im Keim erstickt.

Für westliche Regierungen ist Muratows Kritik besonders heikel, weil sie nicht aus dem Kreml-Lager kommt, sondern von einem der bekanntesten unabhängigen Journalisten Russlands. Muratow gründete die "Nowaja gaseta" vor mehr als 30 Jahren mit. Die Zeitung galt lange als eines der wichtigsten unabhängigen Medien des Landes.

Die Redaktion zahlte für ihre Arbeit einen hohen Preis. Mitarbeiter wurden wiederholt Opfer von Gewalt durch unbekannte Täter. Seit Mai 2000 wurden acht Journalisten der Zeitung schwer verletzt oder umgebracht. Am 28. März 2022 stellte die "Nowaja gaseta" ihr Erscheinen vorläufig ein. Vor der Einstellung erreichte ihr Onlineangebot täglich bis zu drei Millionen Leser aus Russland. Am 5. September 2022 entzog ein Gericht in Moskau der Zeitung die Drucklizenz.

2021 erhielt Muratow gemeinsam mit der philippinischen Journalistin Maria Ressa den Friedensnobelpreis. Ausgezeichnet wurden beide "für ihre Bemühungen um die Wahrung der Meinungsfreiheit, die eine Voraussetzung für Demokratie und dauerhaften Frieden ist".

Muratows Botschaft an den Westen ist damit mehr als eine Kritik an früherer Russland-Politik. Sie ist auch eine Warnung: Wer gegenüber Putin von Werten spricht, muss diese nach außen und innen glaubwürdig vertreten. Sonst bleibt beim Kremlchef vor allem eines hängen – Verachtung.

{title && {title} } red, {title && {title} } 17.08.2026, 07:15
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