Nobelpreisträger rechnet ab

"Wird für Putin niemals einen 'Sieg' in Ukraine geben"

Dmitri Muratow rechnet mit Putins Ukraine-Invasion ab: Einen echten Sieg könne der Kreml-Kriegstreiber nicht mehr für sich beanspruchen.
Newsdesk Heute
16.08.2026, 19:46
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Der russische Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow sieht für Wladimir Putin keine Möglichkeit mehr, den Krieg gegen die Ukraine als Sieg darzustellen. Der frühere Chefredakteur und Mitbegründer der "Nowaja gaseta" sagte in einem Interview mit der BBC, die Lage habe längst eine Schwelle überschritten.

"Es wird niemals einen 'Sieg' geben", sagte Muratow laut BBC in dem Interview mit Russland-Korrespondent Steve Rosenberg. Was seit fast fünf Jahren geschehe, könne "egal, wie es endet", nicht mehr als Sieg gelten.

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Muratow begründet seine Einschätzung mit dem Ausmaß des Krieges. "Es kann kein Sieg sein, wenn zwei slawische Nationen eine Million Menschen oder mehr in Stücke gerissen haben", sagte der Journalist. Nach seiner Einschätzung könne Russland die Ukraine zwar zerstören, aber nicht erobern.

Damit stellt sich Muratow direkt gegen die Darstellung des Kremls. Putin spricht weiter von einem möglichen russischen Sieg. Muratow hält dem entgegen, dass der Krieg, den Moskau 2022 als kurze "militärische Operation" begonnen habe, längst zum blutigsten Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg geworden sei.

Atom-Rhetorik nimmt zu

Besonders besorgt zeigt sich der Nobelpreisträger über die zunehmende nukleare Rhetorik in Russland. Er betont zwar, niemand wisse, was in Putins Kopf vorgehe. Zugleich verweist er darauf, dass seit Jahresbeginn mehr als 500 Mal über die Notwendigkeit eines Einsatzes von Atomwaffen gesprochen worden sei. Solche Debatten habe er nicht nur von Randfiguren gehört, sondern auch im Staatsfernsehen und bei staatlich geprägten Veranstaltungen.

Muratow stellt auch Putins ursprüngliche Begründung für die Invasion infrage. Der Kremlchef hatte im Februar 2022 erklärt, es gehe um die Sicherheit Russlands. Angesichts ukrainischer Drohnenangriffe, einer Benzinkrise, Störungen beim mobilen Internet und politischer Gefangener müsse sich jeder in Russland die Frage stellen, ob diese Sicherheit tatsächlich größer geworden sei.

"Ausländische Agenten"

Der Journalist beschreibt zugleich ein Russland, in dem Kritik immer gefährlicher wird. Viele Meinungsführer seien zu "ausländischen Agenten", "Extremisten" oder "Terroristen" erklärt worden. Seit Beginn der russischen Offensive gegen die Ukraine seien nach einer konservativen Schätzung mindestens 1.500 Menschen in Haft gekommen, weil sie sich gegen die aktuelle Staatspolitik gestellt hätten.

Auch Muratow selbst gilt in Russland als "ausländischer Agent". Er lenkt den Blick dennoch vor allem auf jene, die in Gefängnissen sitzen. Unter ihnen nennt er Journalisten, einen früheren Stadtpolitiker sowie den Pianisten Pawel Kuschnir, der nach Anti-Kriegs-Videos verhaftet wurde und während eines Hungerstreiks in Untersuchungshaft starb. Er wurde 39 Jahre alt.

Die "Nowaja gaseta", die Muratow vor mehr als 30 Jahren mitbegründete, war lange eines der wichtigsten unabhängigen Medien Russlands. Mitarbeiter der kleinen Redaktion wurden wiederholt Opfer von Gewalt durch unbekannte Täter. Seit Mai 2000 wurden acht Journalisten der Zeitung schwer verletzt oder umgebracht. Am 28. März 2022 stellte die "Nowaja gaseta" ihr Erscheinen vorläufig ein, zuvor hatte ihr Onlineangebot täglich bis zu drei Millionen russische Leser erreicht. Im September 2022 folgte der Entzug der Drucklizenz.

2021 erhielt Muratow gemeinsam mit der philippinischen Journalistin Maria Ressa den Friedensnobelpreis. Die Auszeichnung wurde ihnen "für ihre Bemühungen um die Wahrung der Meinungsfreiheit, die eine Voraussetzung für Demokratie und dauerhaften Frieden ist" zuerkannt.

Trotz des Drucks auf Kritiker sieht Muratow nicht nur Dunkelheit. In Moskau gebe es weiter Unterstützung für die Arbeit seiner Redaktion, sagt er. Sie werde nur leise ausgesprochen. "Sie werden im Flüsterton gesagt. Aber was die Menschen denken, ist sehr wichtig."

{title && {title} } red, {title && {title} } 16.08.2026, 19:46
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