Bei der Parlamentswahl in Russland zeichnete sich in der Nacht auf Montag ein Sieg der Partei von Präsident Wladimir Putin ab. Geeintes Russland kommt laut einer Wahlnachbefragung des staatlichen Meinungsforschungsinstituts Wziom auf 49,4 Prozent der Stimmen. Die Angaben sind allerdings noch kein amtliches Wahlergebnis, sondern beruhen auf Befragungen von Wählerinnen und Wählern nach der Stimmabgabe.
Nach den vorliegenden Prognosen schaffen auch die Kommunistische Partei mit 14,2 Prozent, die ultranationalistische LDPR mit 10,7 Prozent, Nowyje Ljudi mit 9,7 Prozent und Gerechtes Russland mit 6,6 Prozent den Einzug in die Staatsduma. Nach Angaben des ZDF gelten sämtliche Parteien auf dem Wahlzettel als kremlnah und unterstützen den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Die Wahl war von Beginn an umstritten. Die Antikriegspartei Jabloko wurde zunächst zur Wahl zugelassen, später jedoch wieder vom Wahlzettel gestrichen. Oppositionelle Kräfte kritisierten zudem Einschränkungen bei der Wahlbeobachtung. Sowohl Jabloko als auch die Kommunistische Partei berichteten, dass Beobachter in zahlreichen Wahllokalen an ihrer Arbeit gehindert worden seien.
Auch über weiteren Druck auf Wähler wurde berichtet. Staatsbedienstete sollen zur Teilnahme an der Wahl gedrängt worden sein. Zudem gab es erneut Berichte über vorausgefüllte Stimmzettel, die massenhaft in Wahlurnen eingeworfen worden sein sollen. Einige Wähler gaben laut den vorliegenden Angaben an, keinen Wahlschein erhalten zu haben und ohne ihr Wissen für die Online-Abstimmung registriert worden zu sein.
Die Wahlbeteiligung lag nach amtlichen Angaben bei mehr als 56 Prozent und damit über dem Wert von 2021. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass sich diese Angaben nicht unabhängig überprüfen lassen.
Gewählt wurden 450 Abgeordnete für die neue Staatsduma. Mehr als 110 Millionen Russinnen und Russen waren zur Abstimmung aufgerufen. Die Wahl war die erste Parlamentswahl seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022.
Am Wahltag kam es außerdem zu schweren ukrainischen Drohnenangriffen auf Moskau und die umliegende Region. Die Leiterin der russischen Zentralen Wahlkommission, Ella Pamfilowa, sprach von beispiellosen Attacken. Nach ihrer Darstellung sollten die Angriffe die Abstimmung über die neue Staatsduma stören.
Die russischen Behörden meldeten zudem Tote und einen Brand in einer Raffinerie. Die Angriffe überschatteten damit den letzten Tag der dreitägigen Parlamentswahl.