55-Jähriger mit 40 OPs

PVA schickt Kranken arbeiten – selbst AMS ist ratlos

Die PVA erklärt einen schwerkranken Welser (55) für arbeitsfähig. Doch einen passenden Job findet er nicht. Selbst beim AMS herrscht Ratlosigkeit.
17.10.2026, 07:13
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Arbeiten soll er können, doch einen passenden Job findet er nicht. Otto T. (55) aus Wels steckt in einer schwierigen Situation: Die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) hält ihn trotz schwerer chronischer Erkrankung für arbeitsfähig.

Auf dem Arbeitsmarkt sieht es für den Oberösterreicher allerdings düster aus. Selbst das Arbeitsmarktservice (AMS) soll laut seinen Angaben kaum eine passende Beschäftigungsmöglichkeit für ihn sehen.

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Der 55-Jährige leidet an Morbus Crohn, hat bereits 40 Operationen hinter sich und einen anerkannten Behinderungsgrad von 70 Prozent.

Selbst das AMS weiß offenbar nicht weiter

Nach rund 30 Jahren in der Lagerlogistik verlor T. wegen seiner Erkrankung und der damit verbundenen Krankenstände seinen Arbeitsplatz. Seither steht er vor einem Problem: Er möchte eine Lösung für seine berufliche Zukunft finden, kann wegen seiner gesundheitlichen Einschränkungen aber nicht jede Arbeit übernehmen.

Gegenüber der "Krone" schildert der Oberösterreicher, wie schwierig sich die Jobsuche gestaltet. "Allerdings ist es für mich fast unmöglich, einen Job zu finden. Sogar das AMS sagt, dass man eigentlich nicht wüsste, wo es was für mich gibt, wo ich mit meiner Krankheit arbeiten kann", erzählt T.

Es handelt sich dabei um seine Schilderung der Gespräche mit dem Arbeitsmarktservice. Eine eigene Stellungnahme des AMS zu seinem Fall liegt in dem Bericht nicht vor.

Krankheit macht Berufsalltag schwierig

Der Welser leidet seit vielen Jahren an Morbus Crohn. Die chronisch-entzündliche Darmerkrankung kann unter anderem starke Bauchschmerzen, Durchfälle und Müdigkeit verursachen.

Bei T. kommen die Beschwerden besonders dann zum Vorschein, wenn er unter Druck steht. "Wenn ich Stress habe oder unter Zeitdruck bin, habe ich solche Schübe. Das macht es in der Arbeit natürlich nicht immer einfach. Ich muss eben sehr häufig die Toilette aufsuchen", schildert er.

Gerade in einem beruflichen Umfeld mit festen Abläufen und Zeitvorgaben können diese Beschwerden zu erheblichen Schwierigkeiten führen. T. hat nach eigenen Angaben bereits 40 Operationen im Zusammenhang mit seiner Erkrankung überstanden.

PVA sieht trotzdem genug Arbeitsfähigkeit

Weil seine gesundheitliche Situation die Arbeitssuche erschwert, stellte er 2025 einen Antrag auf Berufsunfähigkeitspension. Doch die PVA lehnte diesen ab. Laut medizinischer Beurteilung sei der 55-Jährige weiterhin in der Lage, zumindest bestimmte Tätigkeiten auszuüben.

Auch ein weiteres Gutachten im Zuge eines Gerichtsverfahrens bescheinigte ihm, leichte bis mittelschwere Arbeiten ganztägig und überwiegend im Sitzen verrichten zu können. Daraufhin zog T. seine Klage gegen die Entscheidung zurück.

Damit bleibt die Ausgangslage bestehen: Die PVA sieht ihn als arbeitsfähig an, während er nach eigenen Angaben keinen Arbeitgeber findet, der ihn mit seinen gesundheitlichen Einschränkungen beschäftigen kann.

Verein warnt vor einem Teufelskreis

Dass T. mit diesem Problem nicht allein ist, betont Walter Bruckner von der Österreichischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa Vereinigung. Aus seiner Sicht haben Menschen mit chronischen Erkrankungen auf dem Arbeitsmarkt häufig erhebliche Schwierigkeiten.

"Leider machen viele Erkrankte diese Erfahrung, weil Firmen sich scheuen, Mitarbeiter mit chronischen Erkrankungen einzustellen. In Pension dürfen sie aber auch nicht gehen. Das ist ein Teufelskreis", erklärt Bruckner.

Die Einschätzung des Vereins macht auf eine mögliche Lücke zwischen medizinisch festgestellter Arbeitsfähigkeit und den tatsächlichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt aufmerksam.

Wer gibt Schwerkranken eine Chance?

Für T. ist diese Frage längst keine theoretische Diskussion mehr. Er hat jahrzehntelang gearbeitet, musste seinen bisherigen Arbeitsplatz wegen gesundheitlicher Probleme aufgeben und sucht nun nach einer neuen beruflichen Perspektive.

Genau darin liegt das Problem des 55-Jährigen: Für eine Pension gilt er als zu arbeitsfähig, für viele Jobs scheinen seine gesundheitlichen Einschränkungen wiederum zu groß zu sein.

red, Akt. 17.10.2026, 07:26, 17.10.2026, 07:13
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