Antrag abgelehnt

PVA lässt Österreicher nicht in Pension gehen

Trotz 40 Operationen und 70 Prozent Behinderung bekommt ein Welser (55) keine Berufsunfähigkeitspension. Einen Job findet er aber auch nicht.
16.10.2026, 15:59
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30 Jahre lang war Otto Trindorfer in der Lagerlogistik beschäftigt. Heute steht der 55-Jährige aus Wels (OÖ) vor einer schwierigen Situation: Wegen seiner chronischen Erkrankung findet er nach eigenen Angaben keine neue Arbeit. Für eine Berufsunfähigkeitspension reicht sein Gesundheitszustand laut Pensionsversicherungsanstalt (PVA) aber nicht aus.

Dabei hat der Oberösterreicher bereits 40 Operationen hinter sich und einen Behinderungsgrad von 70 Prozent.

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Nach 30 Jahren Arbeit gekündigt

Trindorfer leidet seit vielen Jahren an Morbus Crohn. Dabei handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die unter anderem starke Bauchschmerzen, Durchfall, Gewichtsverlust, Müdigkeit und Fieber verursachen kann. Die Beschwerden treten häufig in Schüben auf.

Für den Welser hatte die Krankheit auch berufliche Folgen.

"Ich habe 30 Jahre in der Lagerlogistik gearbeitet, die letzten sieben Jahre in derselben Firma. Ich wurde dann aber wegen meiner Krankheit und den damit verbundenen Krankenständen gekündigt", erzählt Otto Trindorfer der "Kronen Zeitung".

Besonders Stress und Zeitdruck machen ihm zu schaffen. "Wenn ich Stress habe oder unter Zeitdruck bin, habe ich solche Schübe. Das macht es in der Arbeit natürlich nicht immer einfach. Ich muss eben sehr häufig die Toilette aufsuchen", so Trindorfer zur "Krone".

Bereits 40 Mal operiert

Die Erkrankung hat den 55-Jährigen auch körperlich stark gefordert. Insgesamt musste er sich bereits 40 Eingriffen im Zusammenhang mit Morbus Crohn unterziehen, die meisten davon unter Vollnarkose. "Das belastet mich und meinen Körper", sagt der Welser zur "Krone".

Im Jahr 2025 beantragte Trindorfer deshalb eine Berufsunfähigkeitspension. Doch die PVA lehnte seinen Antrag ab. Aus ihrer Sicht sei es ihm weiterhin zumutbar, zumindest einer Teilzeitbeschäftigung nachzugehen.

Der Oberösterreicher wollte die Entscheidung nicht hinnehmen und brachte eine Klage ein.

Gutachten sieht Mann als arbeitsfähig

Im Zuge des Verfahrens wurde ein weiteres Gutachten erstellt. Auch dieses fiel nicht im Sinne des 55-Jährigen aus, berichtet die Tageszeitung.

Die Untersuchung kam laut PVA "zum Ergebnis, dass aus gutachterlicher Sicht leichte bis mittelschwere Tätigkeiten vollzeitig, vorwiegend im Sitzen, möglich sind".

Damit blieb die Einschätzung bestehen, dass Trindorfer trotz seiner gesundheitlichen Probleme noch arbeiten könne. Schließlich zog er seine Klage wieder zurück.

Auch das AMS findet keinen passenden Job

Für den Welser ist damit allerdings noch keine Lösung gefunden. Denn während er laut Gutachten arbeitsfähig ist, gestaltet sich die Suche nach einer geeigneten Stelle äußerst schwierig.

"Ich habe dann wegen Aussichtslosigkeit die Klage zurückgezogen. Allerdings ist es für mich fast unmöglich, einen Job zu finden. Sogar das AMS sagt, dass man eigentlich nicht wüsste, wo es was für mich gibt, wo ich mit meiner Krankheit arbeiten kann", schüttelt Trindorfer in der "Krone" nur den Kopf.

Verein spricht von einem Teufelskreis

Dass chronisch kranke Menschen zwischen Arbeitsmarkt und Pensionssystem geraten, ist laut der Österreichischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa Vereinigung kein Einzelfall. Walter Bruckner von der Vereinigung sieht darin ein grundsätzliches Problem.

"Leider machen viele Erkrankte diese Erfahrung, weil Firmen sich scheuen, Mitarbeiter mit chronischen Erkrankungen einzustellen. In Pension dürfen sie aber auch nicht gehen. Das ist ein Teufelskreis", so Walter Bruckner, Österreichische Morbus Crohn und Colitis ulcerosa Vereinigung, zur "Krone".

Für Trindorfer bleibt die Lage damit unverändert: Die PVA hält ihn für arbeitsfähig, eine passende Beschäftigung hat der 55-Jährige bisher aber nicht gefunden.

wil, 16.10.2026, 15:59