Shitstorm wegen Politiker

Rauswurf! Merz lässt Comedian bei TV-Sender feuern

Laut und direkt, so kennt man Comedian Ingo Appelt. Jetzt erzählt er, warum ihn Friedrich Merz persönlich bei einem TV-Sender feuern ließ.
Heute Entertainment
04.10.2026, 09:15
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Er ist einer der bekanntesten deutschen Komiker und Kabarettisten, der vor allem in den 1990er- und 2000er-Jahren große Erfolge feierte: Ingo Appelt. Sein Markenzeichen ist der schwarze, oft derbe Humor, mit dem er gesellschaftliche Tabus, Geschlechterklischees und politische Korrektheit gezielt attackiert.

Im Podcast "Gestatten, von Sinnen!" erzählt der 59-Jährige nun erstmals darüber, wie er mit dem Wort "Ficken" zum Kult wurde und warum er wegen Jetzt-Kanzler Friedrich Merz in den 90er-Jahren seinen Fernsehjob loswurde.

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In einer Zeit, in der das deutsche Fernsehen in Sachen Sprache noch deutlich prüder war als heute, entwickelte sich Appelt schnell zum "Rüpel der Nation". Berühmt wurde er besonders durch ein Schild, auf dem in großen Buchstaben schlicht das Wort "Ficken" gedruckt war.

Dieses hielt er bei Auftritten (unter anderem bei RTL Samstag Nacht oder später in seiner eigenen Sendung) bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit in die Kamera oder ins Publikum, um gezielt zu provozieren. Die Idee dazu kam ihm bereits im Teenageralter, wie er erzählt.

"Lustigerweise war das ein Auftritt in einer NDR-Talkshow, das war eine lesbische Aktivistin, die ein solches Schild in die Kamera gehalten hat. Da war ich 12, 13 Jahre alt, das fand ich so lustig. Und dann hab ich das mal irgendwo erzählt und dann hat sich das verselbständigt", erklärt Appelt im Podcast.

Und weiter: "Ich weiß noch, ich saß in einem Eiscafe in Traben-Trarbach, da kamen so junge Leute, so 17, 18 Jährige vorbei. Als sie mich sahen, haben sie sich in einem Kreis aufgestellt, sich an den Händen gefässt und gesagt: 'Eins, zwei, drei. Ficken'. Da hat sich dann irgendwas in meiner Birne freigeschaufelt und dann ging es nur noch da drum", so Appelt.

Damals führte das zu enormer öffentlicher Empörung, brachte ihm jedoch gleichzeitig den Durchbruch und massive Aufmerksamkeit ein, da er sich so bewusst als "Kotzbrocken" und sexuell schamloser Aufklärer inszenierte.

Doch dann kam es zum Absturz. Nicht wegen des "Ficken"-Schilds. Ausgerechnet ein Sketch mit Babypuppen sorgte dafür, dass sein Ruf jahrelang beschädigt war.

Ingo Appelt und das goldene "Ficken"-Schild auf der Bühne (1999, Göttingen)
imago/Olaf Jentzsch

"Es gab Ende der 90er einen Internetstream. Da war eine Omi zu sehen, die hat ein Baby wie einen Fußball weit getreten. Das war eine Computeranimation, sah aber sehr echt aus, das war totaler Kult. Und dann gab's die Geschichte, dass Franz Beckenbauer bei einer Weihnachtsfeier 'was ins Becken gebaut' hat. Und das haben wir dann zusammengeschraubt. So: Was wird aus dem Kind vom Beckenbauer? Wir haben also eine Torwand aufgestellt, haben oben in die eine Ecke 'Abitur' und unten 'Harz4' geschrieben und haben dann so eine Baby-born-Puppe genommen und geschaut, was es denn wird", so Appelt. So weit, so (vielleicht) lustig.

Doch leider lief der Clip zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: "Wir haben am Donnerstag ausgestrahlt und kurz zuvor wurden zwei Kinderleichen in einem Schwimmbad gefunden. Und dann kam der CSU-Landesfrauenverband in Bayern und hat sich darüber mokiert, dass ein Ingo Appelt kinderfeindlich wäre. Dabei hatte das eine mit dem anderen gar nichts zu tun", kann der Kabarettist die Aufregung auch heute noch nicht fassen.

Doch es kam noch schlimmer, der Sketch wurde schließlich sogar zum Politikum: "Und dann hat sich Friedrich Merz da reingeworfen und ist mit Leo Kirch [einer der mächtigsten und einflussreichsten deutschen Medienunternehmer des 20. Jahrhunderts, Anm.] zum ProSieben-Chef und sie haben gesagt: 'Der Appelt muss weg'. Und dann war ich innerhalb einer Minute abgesägt. Also das war Pech."

Sein Sprungbrett in den 90er-Jahren. Auch bei "RTL Samstag Nacht - Das Wiedersehen" war Appelt dabei.
RTL / Willi Weber

Ein gigantischer Shitstorm riss Appelt regelrecht mit: "Kein Radiointerview, kein Fernsehsender, ich war eine Persona non grata in Deutschland. Auftritte wurden abgesagt, ich hab ein Jahr lang nicht gespielt." Mehr noch: Jahrzehntelang war der Kabarettist "wegen dieser Merz-Kacke am Struggeln", wie Moderatorin Hella von Sinnen es prägnant zusammenfasst.

Doch es gab ein Happy End. Denn in einer Talkshow-Sendung von Markus Lanz wurde eben jener Sketch, der zur Entlassung Appelts führte, Comedy-Legende und Monty Python-Gründer John Cleese gezeigt. "Der hat sich scheckig gelacht. Das war mein Adelsritterschlag. Seitdem ist der Kuchen für mich gegessen."

Zumindest fast: Bei seinen Auftritten, z.B. auch in den TV-Sendungen von Kabarettistenkollegen Dieter Nuhr, kann sich Appelt die ein oder anderer Spitze gegen den Inzwischen-Bundeskanzler Merz nicht verkneifen.

Am 11. September 2027 ist er mit seinem neuen Live-Programm "Männer nerven stark" in Kollerschlag (OÖ) zu sehen.

red,Akt. 04.10.2026, 09:42, 04.10.2026, 09:15