Seit Jahren kümmert sich Markus (51) um seine 83-jährige Mutter. Sie leidet an Demenz, kann nicht mehr sprechen und hat seit vergangenem Jahr Pflegestufe 7 – die höchste Stufe. Für Markus stand dennoch immer fest: "Ich werde sie bis zum letzten Tag pflegen."
Zusätzlich zur Betreuung arbeitet der Oberösterreicher 40 Stunden pro Woche. Während er in der Arbeit ist, wird seine Mutter von einer Altenfachpflegerin und einer Betreuerin – Markus nennt sie liebevoll "meine Mädels" – versorgt, die ihn unterstützen. Sobald er nach Hause kommt, übernimmt er wieder selbst.
Im Mai beantragte der Oberösterreicher eine Förderung in Höhe von 2.010 Euro. Das Geld könnte er dringend für notwendige Hilfsmittel brauchen. Anfang Juli berichtete der 51-Jährige im Gespräch mit "Heute" von langen Wartezeiten, Nachforderungen und einem zermürbenden Kampf mit der Bürokratie.
Jetzt soll sich laut Markus endlich das Sozialministerium bei ihm gemeldet haben – mit einer neuen Nachforderung. Verlangt werde ein Sachverhaltsnachweis darüber, "wie das geht, dass ich 40 Stunden arbeite und meine Mutter pflege, die Pflegestufe 7 hat". Dass er während seiner Arbeitszeit Unterstützung hat, habe er im Gespräch "fünfmal erklärt". Die neuerliche Forderung bringt ihn auf die Palme: "Das ist nur mehr Sekkiererei."
Besonders bitter: Der Sohn betont, er habe zuvor "100 Mal nachgefragt, ob sie noch etwas brauchen". Nun müsste er sich nach eigener Aussage wieder einen Tag freinehmen, um die formellen Angelegenheiten mit dem Sozialhilfeverband zu erledigen. "Ich habe nicht die Zeit, dass ich ihnen alle fünf Minuten nachrenne. Ich habe die Nerven nicht", sagt er frustriert.
Denn nach Feierabend beginnt für den 51-Jährigen die nächste Schicht: "Ich komme heim, muss kochen, meiner Mutter beim Essen helfen, dann gehen wir spazieren, dann wasche ich sie und bringe sie ins Bett. Um Mitternacht stehe ich auf und schaue, ob bei ihr alles passt, und um halb vier stehe ich wieder auf." Zeit und Kraft für zusätzliche Behördenwege bleiben da kaum.
"Ich habe die Zeit dafür nicht, das ist reine Schikane, es ist nur mehr lächerlich", ärgert sich Markus. Besonders wenig versteht er den großen Aufwand angesichts der Fördersumme: "Da geht es um depperte 2.000 Euro." Für ihn selbst sei das sehr viel Geld, für die Behörden wohl nicht, meint er. Warum daraus ein derart großer bürokratischer Kampf werde, könne er nicht nachvollziehen.
Auf "Heute"-Anfrage erklärt das Sozialministerium, dass bei der Beurteilung mehrere Kriterien berücksichtigt würden. Dazu zähle auch, "ob und gegebenenfalls in welchem Ausmaß eine Berufstätigkeit ausgeübt wird". Deshalb könne es selbst dann noch Rückfragen geben, wenn bereits alle erforderlichen Unterlagen eingelangt seien.
Dem Ministerium sei bewusst, "welchen Belastungen pflegende Angehörige ausgesetzt sind". Mit den Zuschüssen für eine Ersatzpflege wolle man Betroffene entlasten und ihnen eine vorübergehende Auszeit von der täglichen Pflege ermöglichen.