Präsidentenwahl in Bulgarien

Russland-Freundin siegt – Van der Bellen gratuliert

Iliana Jotowa gewinnt die Präsidentenwahl in Bulgarien. Van der Bellen gratuliert, obwohl er beim Thema Russland einen ganz anderen Kurs vertritt.
02.11.2026, 11:42
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Die russlandfreundliche Iliana Jotowa (62) hat die Präsidentenwahl in Bulgarien klar gewonnen. Bei der Stichwahl am Sonntag erhielt sie rund 57,5 Prozent der Stimmen. Ihr prowestlicher Herausforderer Andrej Gjurow kam auf rund 39,4 Prozent. Bemerkenswert: Auch Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen gratulierte der Politikerin zum Wahlsieg.

"Ich freue mich auf unsere fortgesetzte Zusammenarbeit zum Wohle eines starken, geeinten, sicheren und wohlhabenden Europas", schrieb Van der Bellen auf Bluesky.

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Van der Bellen rechnete mit Putin ab

Beim Thema Russland vertreten die beiden Staatsoberhäupter allerdings deutlich unterschiedliche Positionen. Jotowa setzt auf einen Dialog mit Moskau, lehnt weitere militärische Unterstützung für die Ukraine ab und fordert eine diplomatische Lösung des Krieges.

Van der Bellen hingegen hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin wiederholt scharf kritisiert. Im April 2024 räumte er in einem Interview mit dem "Spiegel" sogar einen früheren Irrtum ein: "Ich gebe zu, ich habe mich in Putin geirrt."

Er habe geglaubt, Putin würde sich mit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim zufriedengeben. "Tut mir leid, völlige Fehleinschätzung", erklärte Van der Bellen damals. Den Kreml-Chef bezeichnete er ausdrücklich als "Aggressor".

Bulgarien rückt näher an Moskau

Jotowa vertritt dagegen einen deutlich russlandfreundlicheren Kurs. Sie gehört zum politischen Lager von Regierungschef Rumen Radew, der ebenfalls auf eine diplomatische Annäherung an Moskau setzt.

Radew war selbst bulgarischer Präsident, bevor er im Jänner 2026 zurücktrat, um in die Parteipolitik zu wechseln. Jotowa übernahm daraufhin als bisherige Vizepräsidentin das höchste Staatsamt. Mit ihrem Wahlsieg ist sie nun die erste direkt gewählte Präsidentin Bulgariens.

Die Wahl wurde von einer angespannten Sicherheitslage im Schwarzen Meer überschattet. In den vergangenen Wochen wurden nach Behördenangaben mindestens sechs Handelsschiffe vor der bulgarischen Küste von Drohnen attackiert. Das schürte Sorgen vor einer weiteren Ausweitung des Ukraine-Krieges.

Trotz unterschiedlicher Haltung gibt es Glückwünsche

Dass Van der Bellen Jotowa dennoch gratuliert, ist diplomatisch nicht ungewöhnlich. Bulgarien gehört sowohl der EU als auch der NATO an. Gute Beziehungen zwischen den beiden Staaten sind daher auch unabhängig von den politischen Positionen ihrer Staatsoberhäupter wichtig.

Eine direkte öffentliche Kritik Van der Bellens an Jotowa ist bisher nicht bekannt. Seine Glückwünsche enthalten auch keine Unterstützung für ihren Russland-Kurs.

Der politische Gegensatz bleibt dennoch deutlich: Während Van der Bellen mehr Druck auf Putin fordert, setzt Bulgariens Wahlsiegerin auf Gespräche mit Moskau.

NW, 02.11.2026, 11:42
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