Virale Debatte

"Schatz, wo ist...?" Anruf ins Weltall sorgt für Wirbel

Christina Koch ist die erste Frau, die je zum Mond geflogen ist. Im Netz wird nun aber eine Anekdote einer früheren Mission eifrig diskutiert.
Newsdesk Heute
15.04.2026, 13:38
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Die Artemis-2-Crew ist heil auf die Erde zurückgekehrt. Mit dabei: Die US-Amerikanerin Christina Hammock Koch. Sie schrieb gleich mehrfach Geschichte. Als erste Frau flog sie zum Mond und war Teil der Crew, die so weit von der Erde entfernt war, wie nie zuvor. Außerdem hält sie den Rekord für den längsten Weltraumaufenthalt einer Frau: Von 2019 bis 2020 verbrachte sie insgesamt 328 Tage auf der ISS.

Doch nicht nur diese Mission sorgt für Schlagzeilen. Wie 20 Minuten berichtet, wird aktuell eine Geschichte von Koch und ihrem Ehemann wieder ausgegraben, nachdem sie auf einer Pressekonferenz vor dem Mondflug einen bestimmten Satz sagte. In den sozialen Medien entbrannte daraufhin eine hitzige Debatte über Care-Arbeit und Mental Load.

Konkret fragte eine Journalistin die vier Crewmitglieder, wie sie ihre Familien auf die neun Tage lange Mondmission vorbereiteten. Koch scherzte über ihren Mann: "Ich muss ihm klarmachen, dass das hier nicht wie bei der Internationalen Raumstation ist, wo wir einfach so telefonieren können. Er wird mich nicht einfach so anrufen können und fragen, wo eine bestimmte Sache im Haus liegt." Sie ergänzte: "Er wird es allein finden müssen. Das war für uns vorab ein großes Thema."

Ihr Mann suchte das Druckerpapier

Damit spielte sie auf ein Interview an, das sie 2020 nach ihrer Rückkehr von der ISS mit einem US-Radiosender führte. Damals erzählte Koch, dass ihr Mann sie während der Mission mehrfach anrief, weil er zu Hause Dinge nicht fand – zum Beispiel das Druckerpapier. Auch mit ihren männlichen Kollegen sei das so: "Wir [Frauen] werden auch im Weltall oft gefragt, wo bestimmte Dinge liegen."

"An ihrer Stelle würde ich mich von dem Versager trennen"

Der Comedian Jan Örtel nahm die Story bei Tiktok auf und zeigte sich fassungslos. Er zitierte die Kronen Zeitung, die titelte: "Mental Load verfolgte Astronautin bis ins Weltall – Mann ruft ISS an". Er schilderte, wie er sich das Telefonat vorstellt: "Ich weiß, du befindest dich gerade im Weltall auf einer lebensgefährlichen Mission – aber wo ist denn dieser Küchenschaber eigentlich?" Sein Fazit: "Wenn ich an ihrer Stelle wäre, würde ich mich von dem Versager trennen." In den Kommentaren geben ihm viele recht und reagieren empört: "Wäre für mich ein Trennungsgrund" oder "tiefer kann man ja wohl nicht sinken", heißt es dort. Eine andere Person kommentiert: "Ich bin nicht überrascht, nur enttäuscht."

Auf Threads schreibt jemand: "Also ich bin eine der Muttis, die gerne sagt 'Boah jag mich aufn Mond, ich will meine Ruhe.' Es zeigt sich: Auch das bringt dir nichts. Was die aktuelle Berichterstattung über Christina Hammock Koch zeigt. Ihr Mann hat sie nämlich beim ISS-Einsatz angerufen, weil er Haushaltsgegenstände nicht finden konnte."

Auch der "Spiegel" greift das Thema in einer Kolumne auf. Autorin Alexandra Zykunov schreibt: "Man könnte das, was Koch da neckisch ins Mikro sprach, als 'Gender Care Gap' bezeichnen." Und weiter: "Man könnte auch 'Mental Load' dazu sagen: Die ständige mentale, niemals enden wollende To-do-Liste aller täglichen und nächtlichen Belange, Termine und Befindlichkeiten aller Familienmitglieder, die auch heute noch zu einem gigantischen Teil bei Frauen abgeladen werden."

So scheitert deine Beziehung nicht am Mental Load

Gegenüber 20 Minuten erklärt die psychologische Einzel-, Paar- und Familienberaterin Tamara Berke, wie du mit dieser unsichtbaren Denkarbeit besser umgehen und sie fair aufteilen kannst. Zuerst solltest du alle Aufgaben erkennen und dann gerecht verteilen: "Paaren in meiner Therapie rate ich dazu, alle Aufgaben im Haushalt aufzuschreiben, die ihnen in den Sinn kommen, und dann eine faire Aufteilung zu finden – vielleicht war bisher auch gar nicht beiden Parteien klar, wie viele Punkte es gibt."

Damit das klappt, müssen manche lernen, auch wirklich Verantwortung abzugeben. "Etwas vom Mental Load abgeben, heißt auch Kontrolle abgeben – und das fällt vielen schwer." Denn, so Berke, dadurch verliere man das Gefühl, dass alles so läuft, wie man es sich vorstellt. Als letzten Tipp rät die Beraterin, die eigene To-Do-Liste kritisch zu hinterfragen – oft ist es gar nicht die unaufgeräumte Wohnung, die stresst. "Häufig stecken Glaubenssätze dahinter, mit denen wir aufgewachsen sind. Etwa, dass wir unser Leben nicht im Griff haben oder nicht genug sind, wenn wir nicht alles sofort erledigen." Wer Unterstützung braucht, kann in einer Therapie daran arbeiten, alte Glaubenssätze loszulassen und neue zu entwickeln.

{title && {title} } red, {title && {title} } 15.04.2026, 13:38
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