Iran-Kritiker in Sorge

Schlägerei-Opfer: "Imam Ali Zentrum ist eine Gefahr!"

Ali M. (44) kämpft immer noch mit körperlichen und psychischen Folgen der Attacke vor dem islamischen Zentrum Imam Ali. Er fordert die Schließung.
Wien Heute
29.04.2026, 05:30
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Vor 13 Jahren kam Ali M. (Name von der Redaktion geändert) aus dem Iran nach Österreich, Grund war die politische Situation und eine tragische Familiengeschichte. "Mein Vater war politisch aktiv. Er wurde festgenommen und erlebte im Gefängnis drei Scheinhinrichtungen. "Als er frei kam, war er nicht mehr derselbe", erinnert er sich. Ein Studienabschluss wurde dem politischen Aktivisten verwehrt, die Angst war ein ständiger Begleiter: "Ich musste den Iran verlassen."

Streit um islamisches Zentrum

In Wien engagiert sich der ausgebildete Informatiker seit Tag eins politisch. "Ich habe sofort im Internet nach anderen Menschen gesucht und Demonstrationen gegen das islamische Regime organisiert", erzählt der 44-Jährige. Darunter waren auch Demos vor dem Imam Ali Zentrum in der Richard-Neutra-Gasse in Floridsdorf, das derzeit für politische Debatten sorgt – "Heute" berichtete. Es geht um radikale Tendenzen: "So etwas hat bei uns keinen Platz", betonte auch bereits Bezirkschef Georg Papai (SPÖ).

"Dass der Erwerb dieser Liegenschaft durch den Iran in Österreich überhaupt möglich war – und das offenbar nur mit Zustimmung der damaligen Außenministerin Karin Kneissl – wirft schwerwiegende politische Fragen auf", kritisiert auch Ava Farajpoory, SP-Bezirksrätin in Simmering mit iranischen Wurzeln.

"Spionage und Einschüchterung"

"Dieses Zentrum ist kein Ort des Dialogs, sondern steht seit Jahren im Verdacht, als Instrument des islamischen Regimes für Spionage und gezielte Einschüchterung zu dienen. Viele Iranerinnen und Iraner in Wien leben in Angst, berichten von Druck und konkreten Bedrohungen – ein untragbarer Zustand mitten in unserer Demokratie. Seit Jahren protestieren sie für die Schließung. Jetzt sind die Abgeordneten des Hohen Hauses gefordert, endlich zu handeln."

"Zentrale des Regimes"

Ali M. hat dazu eine klare Meinung: "Es ist die Zentrale der islamischen Regierung in Wien – nicht die Botschaft. Hier passieren alle Dinge, die schädlich für die iranische Bevölkerung sind. Und für Österreich. Hier wächst radikales Gedankengut und es wird Gehirnwäsche an jungen Leuten betrieben. Sie machen was sie wollen." Zudem habe ein religiöses Zentrum in einem Floridsdorfer Industriegebiet "nichts verloren", so der Exil-Iraner.

"Attackierten mich mit Schlagring"

Nach dem Tod des geistlichen Oberhauptes des Iran, Ali Chamenei, nahm Ali M. am 4. März 2026 an einer Feier vor dem Zentrum teil. Ein Tag, den er so schnell nicht vergessen wird. "Wir waren friedlich, fröhlich und wollten das Ende von Chamenei feiern", berichtet er. "Denn viele Menschen sind durch ihn gestorben." Man habe getanzt und gesungen, so der 44-Jährige.

"Sie schütteten heißes Wasser ins Gesicht"

Doch dann kippte die Stimmung – Ali M. schildert es so: "Als die Polizei weg war, kamen sie aus dem Zentrum. Wir waren nur mehr wenige Leute, etwa 15, haben noch aufgeräumt. Da haben sie uns beschimpft, mit dem Tod bedroht und uns schließlich attackiert. Sie hatten Messer, Gegenstände aus Metall und Holz. Mich haben sie mit einem Schlagring ins Gesicht geschlagen, meine Frau auch. Dann haben sie mir heißes Wasser ins Gesicht geschüttet."

"Habe bis heute Panikattacken"

Er habe sich gewehrt, so der gebürtige Iraner. "Es war einfach mein Instinkt, sie haben meine Frau geschlagen", sagt er. "Ich wollte nicht weglaufen und ich wollte der Polizei alles erzählen." Die Polizei schritt ein, es kam zu zwei Festnahmen und 20 Anzeigen. Neun Personen wurden verletzt, das Verfahren läuft. Ali selbst ist immer noch im Schock: "Ich war blutüberströmt, meine Nase gebrochen, mein Auge beschädigt."

"Habe gedacht, es ist Säure"

Bis heute würden ihn die Folgen des Abends plagen, aber nicht nur die körperlichen: "Meine Frau und ich brauchen beide psychologische Unterstützung. Die Situation hat Erinnerungen aus dem Iran hervorgerufen. Als man mir das heiße Wasser ins Gesicht schüttete, war ich überzeugt, es sei Säure, weil man das so kennt." Seitdem leide er unter Panikattacken, so der junge Mann. Sein größter Wunsch: "Dass dieses Zentrum endlich geschlossen wird!"

Verein nimmt Prüfauftrag zur Kenntnis

Auch im Parlament ist man um Maßnahmen bemüht. Nun wurde beschlossen, das Zentrum wegen seiner engen Kontakte zum iranischen Regime prüfen zu lassen. – "Heute" berichtete. Im Zuge dessen meldete sich der Verein selbst zu Wort: Man nehme den parlamentarischen Prüfauftrag zur möglichen Schließung zur Kenntnis. "Der Beschluss stellt keine Feststellung eines Fehlverhaltens dar", heißt es in einer Aussendung.

"Gewalt findet in unserer Arbeit keine Anwendung"

Zu den Vorfällen vom 5. März heißt es auf "Heute"-Anfrage: "Nach dem Abzug der Polizeikräfte kehrten einzelne Demonstrierende zurück und beschimpften Besucher des Zentrums, darunter auch Frauen und Kinder. Ebenso wurden Personen, die das Zentrum mit dem Auto verließen, verbal attackiert." Nach Beendigung der Veranstaltung, Schließung der Türen des Zentrums und Abzug der Polizei sei es leider zu einer Auseinandersetzung zwischen einer größeren Anzahl verbliebener Demonstrierender und einer kleinen Gruppe von Personen, die sich gerade auf dem Weg befanden gekommen.

"Hervorzuheben ist, dass die einzigen sichtbaren Gegenstände, die von den Demonstrierenden mitgeführt wurden, Fahnenstangen aus Holz oder Metall waren. Zu diesen Ereignissen liegt ein offizielles Polizeiprotokoll vor, das bei den zuständigen Behörden eingesehen werden kann", heißt es weiter. "Der Verein hält sich konsequent an die österreichischen Vereinsgesetze, respektiert unterschiedliche Ansichten und setzt seit vielen Jahren auf Dialog und sachliche Kommunikation. Gewalt findet in unserer Arbeit keine Anwendung."

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 29.04.2026, 12:55, 29.04.2026, 05:30
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