Das Verteidigungsministerium legte am Montag das "Risikobild 2026" vor. In der Analyse wird betont, dass die Welt "unsicherer" werde. Oberst Bernhard Richter erklärte im Zuge der Präsentation, dass die Gefahr eines Atomkrieges "sehr, sehr groß" sei.
In der Gefahrenanalyse werden laut Bericht mit den USA, China und Russland drei dominierende globale Akteure definiert. Besonders kritisch sehen die Experten die Gefahr, die durch Russland ausgeht, diese sei "nicht seine (Russlands, Anm.) Stärke, sondern seine Schwäche". Insgesamt habe Russland ein "großes Stör- und Chaospotenzial".
Ebenso kritisch wird gesehen, dass "das Recht des Stärkeren zunehmend die Stärke des Rechts" überlagere. Arnold Kammel, Generalsekretär und Leiter der Generaldirektion für Landesverteidigung, erklärt dazu: "Wir erleben einen Bruch bei internationalen Beziehungen und müssen uns von einer regelbasierten Weltordnung verabschieden. Gerade für Österreich gilt, dass wir gesamtstaatlich unseren Beitrag leisten müssen und Verteidigung umfassend mitdenken."
Generalmajor Ronald Vartok, Leiter der Direktion Verteidigungspolitik und internationale Beziehungen, verdeutlichte in seiner Keynote, dass die alten Gewissheiten unaufhaltsam zusammenbrechen. Tektonische Verschiebungen bedeuten das Ende der unipolaren Weltordnung unter Führung der USA und den Beginn eines neuen, vielmehr konfrontativen, multipolaren Systems.
Europa müsse seine Verteidigungsfähigkeit daher "drastisch steigern". Vartok stellte die Top-Risiken 2026 vor, die das Verteidigungsministerium identifiziert hat und die Österreichs Handlungsfähigkeit direkt betreffen: unter anderem die Konfrontation zwischen Russland und dem "Westen", die Instabilität im Umfeld der EU, insbesondere im Nahen Osten, beidseits des Roten Meeres und im Nördlichen Afrika, Migrationsströme und auch das unilaterale Agieren der USA.
Neben militärischen Gefahren stünden laut Analyse zunehmend auch nachrichtendienstliche Aktivitäten, kognitive Kriegsführung und Informationsbeeinflussung im Fokus feindlicher Akteure. Wirtschaftlicher Protektionismus und die De-Industrialisierung Europas setzen besonders exportorientierte Volkswirtschaften wie Österreich unter Druck.
Strategische Autonomie sowie eine starke Verteidigungs- und Krisenmanagementfähigkeit der EU seien daher entscheidend. Österreich müsse sich "aktiv beteiligen und mit erhöhter Verteidigungsbereitschaft auf die gewachsenen Bedrohungen reagieren, um seine Interessen zu wahren und die Bevölkerung zu schützen".