Nach der US-Beschlagnahme eines russischen Öltankers im Nordatlantik schlägt Russland nun scharf zurück: Das Außenministerium wirft den USA vor, gezielt "militärische und politische Spannungen" anzuheizen – und warnt vor einer weiteren Eskalation der ohnehin angespannten Beziehungen.
Washington sei "bereit, schwerwiegende internationale Krisen zu provozieren", erklärte das russische Außenministerium am Donnerstag. Das sei "bedauerlich und alarmierend". Das Vorgehen der USA sowie die britische Unterstützung bei der Aktion verurteilte Moskau als "gefährlich und unverantwortlich".
Aus Sicht Moskaus könnte der Vorfall die "bereits extrem angespannten russisch-amerikanischen Beziehungen" durch die in den vergangenen Jahren zunehmenden Konflikte weiter verschlechtern.
Die Beschlagnahme des Tankers sowie die Festsetzung eines weiteren Tankers mit mutmaßlichen Venezuela-Verbindungen in karibischen Gewässern erfolgten wenige Tage nach der Gefangennahme des mit Russland verbündeten venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro bei einem US-Militäreinsatz.
Über Identität und Status des beschlagnahmten Schiffs gibt es laut Bericht widersprüchliche Angaben: Russland spricht von der "Marinera" und verweist darauf, dass das Schiff am 24. Dezember eine einstweilige Genehmigung erhalten habe, unter diesem Namen und unter russischer Flagge zu fahren.
Die USA nennen den Tanker hingegen "Bella 1" und ordnen ihn der sogenannten Schattenflotte zu, die unter Verstoß gegen US-Sanktionen Öl für Länder wie Venezuela, Russland und den Iran transportieren soll.
Diese Vorwürfe weist Moskau zurück. Man habe wiederholt "zuverlässige Informationen" über den "zivilen, friedlichen" Status des Schiffs und seine Besitzverhältnisse geliefert, hieß es. Zudem sei das Schiff "in Übereinstimmung mit den Normen des Völkerrechts" unterwegs gewesen und habe einen russischen Hafen angesteuert – Schiffe auf hoher See unterlägen ausschließlich der Gerichtsbarkeit jenes Staates, unter dessen Flagge sie fahren.
Nachdem aus London bestätigt wurde, dass britische Truppen die USA bei der Aktion unterstützt hätten, legte Moskau nach und warf Großbritannien "Seepiraterie" vor.