Im Bezirk Hollabrunn soll ein 12-Jähriger am Montagnachmittag (3. November) auf einem Spielplatz in Ziersdorf mit einer Pistole hantiert und mehrere Schüsse abgegeben haben. Die Diskussionen nach dem Vorfall reißen seither nicht ab.
Die Waffe stammte laut Polizei von seinem Vater – dieser dürfte sie unerlaubt besessen haben – "Heute" berichtete ausführlich. Neben dem Vorfall um den 12-Jährigen kommen nun auch Auffälligkeiten um einen 14-Jährigen ans Tageslicht – beide besuchten die Mittelschule in Großweikersdorf. Dazu später mehr.
Bei einer anschließenden Hausdurchsuchung stießen die Ermittler im Kinderzimmer des 12-jährigen Buben auf eine geladene Glock 19. Außerdem wurden eine weitere Faustfeuerwaffe sowie zwei Langwaffen sichergestellt. Nach aktuellem Ermittlungsstand hatte der Vater die Waffen illegal in seinem Besitz.
Auslöser der Situation soll ein Streit mit einem gleichaltrigen Freund gewesen sein. Laut Polizei habe der Bub den anderen dazu gebracht, sich hinzuknien und sich zu entschuldigen. Zwischen 16.30 und 17.30 Uhr soll der 12-Jährige dann mehrere Schüsse in die Luft abgegeben haben.
Nachdem ein weiteres Kind den Vorfall gemeldet hatte, leitete die Polizei Ermittlungen ein. Gegen den Vater wird wegen Diebstahls und Verstößen gegen das Waffengesetz ermittelt. Der 12-Jährige wird wegen Nötigung, gefährlicher Drohung und Verstößen gegen das Waffengesetz angezeigt. Für beide gilt die Unschuldsvermutung. Der Bub wurde in eine Kriseneinrichtung des Landes gebracht. Die Bezirkshauptmannschaft Hollabrunn prüft nun die weiteren Schritte.
Zum aktuellen Stand teilte Karl-Josef Weiss auf "Heute"-Anfrage kürzlich schriftlich mit, dass der Bursch "auf derzeit unbestimmte Zeit" in einer Krisenunterbringungsstelle untergebracht sei. Die weiteren Entscheidungen würden "ausschließlich unter Bedachtnahme auf das Kindeswohl" getroffen. Dabei würden familiäre, soziale, rechtliche und auch emotionale Faktoren einbezogen.
Mobbing, Raufereien, Drohungen, sexueller Missbrauch, Drogen: "Mir kommt es so vor, dass diese Schule Anlaufpunkt von schwer erziehbaren Kindern bzw. ein Auffangbecken dieser schwierigen Kindern ist", zeigt sich nun ein Elternteil in einem anonymen Schreiben empört über die Zustände an der Mittelschule Großweikersdorf.
Denn der 12-Jährige sei erst in der Schule in Ziersdorf suspendiert worden, kam dann in der NMS Großweikersdorf unter.
Die Kritik: Nach dem Vorfall sei der Schüler noch "die ganze Woche in der Schule" gewesen. "Eine tickende Zeitbombe war die ganze Zeit bei den anderen Kindern". Hier hätten nicht nur die Bildungsdirektion, auch andere behördliche Stellen versagt. "Die Eltern wurden komplett außen vor gelassen. Es wurde nicht mal kommuniziert, wie es nach dem Wochenende weitergeht. Am Montag war ein ganz normaler Schultag, wie wenn nichts gewesen wäre."
Kritik in dem Fall kommt auch von der FPÖ: "Warum informierte die Schulleitung nicht sofort die Eltern? Das ist unfassbar", so FPÖ Niederösterreich-Sicherheitssprecher Andreas Bors.
"Dass ein Schüler einer Mittelschule in Groß-Weikersdorf nach einem Schusswaffenvorfall in Ziersdorf noch vier weitere Tage ganz normal zum Unterricht geht, ist völlig unverständlich. Entscheidend ist nun zu klären, was in der Kommunikation zwischen Direktion und Bildungsdirektion Niederösterreich derart schiefgelaufen ist, dass trotz 85 an die Bildungsdirektion NÖ gemeldeter Vorfälle im Jahr 2025 keine sofortige Reaktion erfolgte", kritisiert FPÖ Niederösterreich-Bildungssprecher Helmut Fiedler.
Seitens der NÖ Bildungsdirektion betont ein Sprecher gegenüber "Heute": "Die Sicherheit aller Schülerinnen und Schüler hat bei derartigen Vorkommnissen immer oberste Priorität. Die Schulleitung stand daher von Anbeginn an im engen Austausch mit den ermittelnden Behörden und der Bildungsdirektion, um die Situation bestmöglich und im Sinne aller Beteiligten zu klären. Dabei wurden auch in enger Zusammenarbeit von Schule, Bildungsdirektion und Polizei zahlreiche Schritte und Maßnahmen gesetzt, um die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler sicher zu stellen."
Und weiter: "Es hat zu keinem Zeitpunkt eine akute Gefährdung für die Schule bestanden. Auch die Schulpsychologie stand und steht der Schule und den Schülern unterstützend zur Seite, um gemeinsam mit den Pädagoginnen und Pädagogen Ängste und Sorgen aufzuarbeiten und zu besprechen. Alle notwendigen Maßnahmen wurden zeitgerecht eingeleitet, um die Sicherheit am Schulstandort stets zu gewährleisten. Dafür gibt es an jedem Schulstandort in Niederösterreich Krisenpläne, die laufend evaluiert und adaptiert werden."
Zurück zur Mittelschule Großweikersdorf und einem zweiten "Problemschüler": Eltern würden Angst haben, eine Anzeige zu erstatten, "da dieser sonst den Kindern auflauert". Gleich nachdem die Familie hergezogen war, habe es Vorfälle um den 14-Jährigen gegeben: Er sei als "Anzündler" in Raufereien und Bedrohungen dabei, dazu kämen weitere Vorfälle, so ein Elternteil: "Und die Schule schaut weg!" Der Bursche ist mittlerweile suspendiert. Die Angst war groß, dass er am 17. November wieder die Schule besuchen wird und sich an "seiner Klasse rächen wird".
Daraus wurde aber nichts, der Platz bleibt leer: Der 14-Jährige werde nicht mehr in die Schule zurückkommen, sondern er komme in einer anderen Schule unter, heißt es seitens der Bildungsdirektion gegenüber "Heute".
Was beide Fälle eint: Kinder aus schwierigen familiären Verhältnissen, bei denen es offenbar auch für die behördlichen Stellen schwierig ist, eine zufriedenstellende Lösung für alle Beteiligte zu finden. Für alle Beteiligte gilt die Unschuldsvermutung.