Österreichs Wirtschaft steht zunehmend im Visier neuer Bedrohungen. Ob Hacker-Angriffe, gezielte Desinformation, Energieausfälle oder unterbrochene Lieferketten: Unternehmen müssen sich auf immer mehr Gefahren vorbereiten. Bei einer Fachtagung in der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) schlugen Sicherheitsexperten nun Alarm.
"90 Prozent der hybriden Zielvektoren betreffen die Wirtschaft", erklärte Peter Vorhofer, Nationaler Sicherheitsberater im Bundeskanzleramt. Gemeint sind Bedrohungen, bei denen etwa Cyber-Angriffe, Sabotage oder Desinformation kombiniert werden.
Für Vorhofer ist klar: Österreichs Sicherheit hängt längst nicht mehr nur vom Bundesheer ab. Auch die heimischen Betriebe spielen bei der Verteidigung eine entscheidende Rolle. "Das Gesamtsystem hält potenzielle Aggressoren ab, nicht allein die Streitkräfte", betonte der Sicherheitsberater.
Sein Appell an die Wirtschaft: Unternehmen sollen Vorräte anlegen, ihre Lieferanten breiter aufstellen und ihre Computersysteme besser absichern. Auch funktionierende Sicherungssysteme und gut vorbereitete Mitarbeiter seien entscheidend. "Je besser Unternehmen und ihre Mitarbeiter auf diverse Bedrohungen vorbereitet sind, umso besser ist es für das ganze Land", so Vorhofer.
Auch Reinhard Marak, Krisenmanagement-Experte der Wirtschaftskammer Österreich, sieht dringenden Handlungsbedarf. "Unternehmen sind praktisch Werkzeuge, die der Staat braucht, um Versorgung sicherstellen zu können", erklärte er. Das betreffe vor allem lebenswichtige Bereiche wie Lebensmittel und Energie.
Besonders wichtig sei es, Produktionsstandorte in Österreich zu erhalten. Denn wer bei wichtigen Gütern vollständig vom Ausland abhängig ist, könnte im Krisenfall schnell Probleme bekommen. Marak fordert deshalb mehr Unterstützung für Unternehmen statt zusätzlicher Bürokratie. "Wenn ich Unternehmen resilient machen will, muss ich sie unterstützen und nicht mit immer neuen Melde- und Berichtspflichten belasten."
Bei der Tagung wurde auch ein weiterer Schritt zur Stärkung der nationalen Sicherheit angesprochen: Das österreichische Bundesheer will eigene Satelliten ins All bringen. Laut Vorhofer sollen diese die eigenen Fähigkeiten stärken und Österreich unabhängiger machen. Satelliten könnten dabei gleich mehrere Aufgaben erfüllen und so auch der Sicherheit des Landes dienen.
Organisiert wurde die Veranstaltung im Rahmen der 2024 gegründeten Gesellschaft für Landesverteidigung und Sicherheitspolitik in Niederösterreich. Deren Präsident Johann Lampeitl will die Bevölkerung stärker für mögliche Gefahren sensibilisieren. Auch WKNÖ-Vizepräsident Christian Moser betonte die Bedeutung rechtzeitiger Vorsorge. "Es geht darum, Schlimmes zu vermeiden", stellte Moser klar.
Die Botschaft der Experten ist eindeutig: Österreichs Sicherheit beginnt nicht erst beim Bundesheer. Auch Supermärkte, Produktionsbetriebe und Energieversorger können im Ernstfall entscheidend sein.