Menschenhandel

"Sie mussten 10 Freier pro Tag bedienen"

Ein Mann rekrutierte chinesische Frauen und vermittelte sie in Städten wie Bern und Zürich an Freier. Von den Einnahmen kassierte er die Hälfte.
21.11.2025, 20:06
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Ein Mann soll zwischen 2018 und 2021 zehn Frauen aus China zur Prostitution gezwungen haben. Die Taten sollen mitten in Bern sowie in weiteren Städten erfolgt sein. Das Gericht verurteilte den chinesischen Staatsbürger nun zu sieben Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe sowie zu einem Landesverweis von 13 Jahren.

Sex-Wanderarbeiterinnen angelockt

Der Mann habe die Frauen über Inserate auf der chinesischen Chatplattform WeChat in die Schweiz gelockt. In den Inseraten sei klar ersichtlich gewesen, dass es um illegale Sexarbeit ging, sagt der Richter bei der Urteilsverkündung.

Zwar seien die Frauen legal eingereist, sie verfügten jedoch weder über eine Aufenthaltsbewilligung, einen Wohnort noch besaßen sie Kenntnisse der Schweizer Landessprachen: "Er hat ihre Vulnerabilität ausgenutzt", so der Richter.

Frauen "wie Ware" behandelt

Die Frauen seien in Wohnungen untergebracht worden, die der Mann über Airbnb mietete. Die Wohnungen dienten gleichzeitig als Unterkunft und Arbeitsort. Der Beschuldigte habe die Frauen "wie Ware behandelt" und ersetzt, wenn sie nicht mehr konnten.

Der Mann lockte chinesische Sex-Wanderarbeiterinnen an und vermittelte sie in Schweizer Städten an Freier.
20min/Celia Nogler (Symbolbild)

Obschon sie noch im Besitz ihrer Pässe waren, befanden sie sich in einem Abhängigkeitsverhältnis, so der Richter. Termine, Preise und Regeln bestimmte der Mann selbst. Die Kundenfrequenz sei "wahnsinnig hoch" gewesen.

Auch für grundlegende Anliegen erhielten die Frauen keine Unterstützung, was Chat-Protokolle zwischen dem Mann und den chinesischen Frauen beweisen. Wenn sie nach einem Ruhetag oder nach einer Pille danach fragten, sei ihnen weder eine Arbeitspause noch Hilfe angeboten worden.

"Sie wussten, was sie taten"

Vor Gericht bestritt der Mann die Vorwürfe. "Sie wussten, was sie taten", sagte er. Er habe lediglich Kundschaft vermittelt, "danach war meine Arbeit erledigt". Er sehe sich mehr als Opfer als Täter.

Die Ermittlungen zeichnen jedoch ein anderes Bild. Der Mann habe die Frauen eng kontrolliert, übernachtete zeitweise selbst in den Studios und wickelte den Kontakt zwischen Freiern und Frauen vollständig über seine Geräte ab. "Die Frauen waren nicht frei in ihrem Handeln", so der Richter. Wer selbständig werden wollte, sei bei der Polizei angeschwärzt worden.

Die Unterkünfte befanden sich in mehreren Städten, darunter Bern, Zürich, Basel, Genf und St. Gallen. Die Frauen lebten dort isoliert, da die Wohnungen zugleich ihr Arbeitsplatz waren.

Casinoverbot und Urkundenfälschung

Nicht nur Menschenhandel und Prostitution wurden dem Mann vorgeworfen. Er wurde zudem der Urkundenfälschung für schuldig gesprochen. Er habe zweimal ein Casinoverbot erhalten. Daraufhin habe er sich in China gefälschte Papiere anfertigen lassen, um weiterhin Glücksspiel betreiben zu können.

{title && {title} } 20 Minuten,wil, {title && {title} } Akt. 22.11.2025, 12:48, 21.11.2025, 20:06
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