Ein kleiner Bär sorgt derzeit im Katmai-Nationalpark in Alaska für große Augen: Sein ungewöhnlich silberhelles Fell lässt ihn beinahe wie einen kleinen Eisbären aussehen. Doch hinter dem außergewöhnlichen Pelz steckt offenbar keine wilde Bären-Romanze zwischen Eis und Braun.
Eigentlich sind die berühmten "Bear Cams" im Katmai National Park dafür bekannt, mächtige Braunbären beim Lachsfischen zu zeigen. Doch in diesem Sommer stiehlt ihnen ein etwa sechs Monate altes Jungtier die Show. Das Kleine wurde gemeinsam mit seiner Mutter, der als "Bear 677" registrierten Bärin, am Brooks River beobachtet. Mit seinem fast weiß-silbrigen Fell hebt es sich deutlich von den meist dunkleren Artgenossen ab. Explore.org bezeichnete den Nachwuchs sogar als eines der ungewöhnlichsten Jungtiere, die bislang vor den Kameras aufgetaucht sind.
Prompt wurde im Netz spekuliert: Könnte hier etwa ein sogenannter "Pizzly" durchs Gras tapsen – also ein Hybrid aus Eisbär und Grizzly? Die Fachleute winken ab. Rangerin Sarah Bruce erklärt die außergewöhnliche Farbe schlicht mit der Genetik. Braunbären können nämlich von beinahe schwarz über klassisches Braun bis hin zu strahlend hellem Blond auftreten. Im Katmai-Nationalpark gibt es sogar vergleichsweise viele helle Tiere. Zudem liegt die Region viel zu weit südlich des üblichen Eisbären-Lebensraumes, um eine solche Kreuzung wahrscheinlich zu machen.
Auch ein Albino dürfte der kleine Hingucker nicht sein. Vielmehr liegt sein Fell offenbar am besonders hellen Ende der natürlichen Farbpalette von Braunbären. Und aus dem silbernen Bärenbaby könnte später durchaus ein deutlich dunklerer Erwachsener werden, denn die Fellfarbe kann sich mit zunehmendem Alter verändern. Einen Nachteil dürfte der außergewöhnliche Look jedenfalls nicht bedeuten: Für das Überleben des Nachwuchses sind vor allem genügend Nahrung sowie der Schutz und die Erfahrung seiner Mutter entscheidend.
Bis dahin darf der kleine "Silberbär" ruhig noch ein wenig Eisbär spielen – mitten im grünen Alaska.