Hitze, Dürre und immer weniger Feuchtgebiete bringen Österreichs Amphibien zunehmend in Bedrängnis. Frösche, Kröten, Molche und Salamander verlieren ausgerechnet jene Lebensräume, die sie für ihr Überleben dringend brauchen.
Die Trockenheit wird für Österreichs Amphibien zur existenziellen Gefahr. Laut GeoSphere Austria waren die vergangenen zwölf Monate hierzulande die trockensten seit Beginn der Messaufzeichnungen im Jahr 1850. Besonders angespannt ist die Lage in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland.
„Für Amphibien ist die Situation doppelt problematisch: Ihre Laichgewässer trocknen aus, gleichzeitig verlieren sie geeignete Landlebensräume.“Alexios WiklundÖsterreichischer Tierschutzverein
Hinzu kommen Entwässerung, Verbauung und intensive Landnutzung, durch die Teiche und Feuchtgebiete seit Jahrzehnten verschwinden.
Wie ernst die Situation ist, zeigt die Rote Liste des Umweltbundesamtes: Bereits in der bislang maßgeblichen Einstufung aus dem Jahr 2007 galten alle 21 bewerteten heimischen Amphibien-Taxa als gefährdet – eines davon als vom Aussterben bedroht, sechs als stark gefährdet und 14 als gefährdet. Fachleute gehen davon aus, dass sich die Situation vieler Arten seither weiter verschärft hat. Selbst der einst vielerorts häufige Grasfrosch zeigt laut Amphibienexperte Peter Kaufmann vom Haus der Natur Salzburg an Amphibienzäunen seit Jahren deutliche Bestandsrückgänge.
Besonders deutlich wird die Krise beim Europäischen Laubfrosch. In Wien und Niederösterreich gilt er als stark gefährdet, im Burgenland lokal sogar als vom Aussterben bedroht. Auch im Tiroler Inntal und in Vorarlberg sind die Bestände stark unter Druck.
Das Verschwinden der kleinen Hüpfer ist dabei weit mehr als nur ein Problem für den Artenschutz: Amphibien vertilgen große Mengen an Insekten und anderen Wirbellosen und stehen gleichzeitig auf dem Speiseplan von Vögeln, Reptilien und Säugetieren. Brechen ihre Bestände ein, fehlt ein wichtiges Glied im heimischen Nahrungsnetz.
Der Österreichische Tierschutzverein fordert deshalb unter anderem die Renaturierung von Feuchtgebieten, sichere Wanderkorridore und ein flächendeckendes Netz fischfreier Kleingewässer. Wasser müsse zudem länger in der Landschaft gehalten und Gewässerrandzonen müssten frei von Pestiziden bleiben. Helfen kann aber auch jeder im eigenen Garten: Ein fischfreier Naturteich, schattige und feuchte Ecken sowie Laub- und Totholzhaufen bieten Fröschen, Kröten und Molchen wertvolle Rückzugsorte.
Auch ungesicherte Kellerschächte sollten mit Gittern versehen werden. Denn wenn selbst die anpassungsfähigeren Amphibien aus unserer Landschaft verschwinden, ist das ein deutliches Warnsignal dafür, dass ganze Feuchtlebensräume aus dem Gleichgewicht geraten.