Der Verkauf des traditionsreichen Wien Grand Hotels wurde vom Gericht genehmigt, doch Eigentümer Scheich Mohamed Bin Issa Al Jaber akzeptiert das nicht. Der Milliardär tobt, spricht von einem "wirtschaftlich und rechtlich mangelhaften Verfahren" – und kündigt an, bis vor den Europäischen Gerichtshof zu ziehen, um den Zwangsverkauf zu stoppen.
Was wie ein klassischer Fall von Pleite und Verkauf klingt, ist laut Al Jaber ein vorschneller Deal, der nicht nur ihm, sondern auch Wiens touristischem Ansehen schweren Schaden zufügen könnte. Denn das Hotel sei profitabel gewesen – der Verkauf für ihn eine "wertvernichtende Transaktion".
Al Jaber stellt klar: Nicht das Grand Hotel selbst war in Schieflage, sondern lediglich die Holdinggesellschaft EWH AG. Der laufende Hotelbetrieb sei stark gewesen – mit voller Auslastung, positivem Cashflow und Millionenüberschuss allein im Dezember 2025. "Es gab keine wirtschaftliche Notwendigkeit für einen Notverkauf", betont er. Sein Sanierungskonzept hätte laut eigenen Angaben eine 100-Prozent-Quote für die Gläubiger ermöglicht – ohne Verlust des Hauses.
Der Scheich kritisiert, dass dem Eigentümer keine ausreichende Frist für eine tragfähige Refinanzierung eingeräumt wurde. Und das, obwohl bereits konkrete Gespräche mit internationalen Investoren über ein Finanzpaket von 220 Millionen Euro liefen. Dieses hätte nicht nur alle Schulden gedeckt, sondern auch frisches Kapital für den Betrieb und eine Renovierung bereitgestellt. Trotzdem wurde der Verkauf durchgeboxt – offenbar gegen den Willen und ohne Einbindung des Eigentümers.
Einen zentralen Kritikpunkt sieht Al Jaber in der Bewertung des Hotels. Diese habe sich laut seiner Aussage ausschließlich auf den nackten Immobilienwert konzentriert, dabei aber entscheidende Faktoren wie Marke, Betrieb, Inventar und Buchungslage ausgeblendet. "Das Grand Hotel ist kein leerstehendes Gebäude – es ist ein florierender Luxusbetrieb mit internationalem Ruf", sagt er.
Zudem sei die Bewertung nicht von einem Hotel-Experten erstellt worden – ein grober Mangel, wie er meint. Dem gegenüber stünden unabhängige Bewertungen, die auf deutlich höhere Marktwerte schließen ließen. Besonders stutzig macht den Scheich ein Detail: Noch im April 2025 hatte er das renommierte Immobilienunternehmen CBRE selbst beauftragt, eine Refinanzierung auf Basis einer Loan-to-Value-Quote von 50–60% vorzubereiten. Nur drei Monate später wurde das Haus plötzlich zu deutlich geringerem Wert verkauft – mithilfe desselben Unternehmens.
Doch es gehe Al Jaber längst nicht nur ums Geld. In seiner Stellungnahme warnt er eindringlich vor einem Qualitätsverlust für das Grand Hotel Wien. Laut seinen Informationen soll das Haus künftig von einer spanischen 3- bis 4-Sterne-Hotelgruppe übernommen werden. Für ihn ein verheerendes Signal: "Das Grand Hotel Wien ist ein Symbol österreichischer Gastlichkeit und das älteste Fünf-Sterne-Hotel der Stadt. Es muss seine Klasse behalten."
Er spricht von einem möglichen Imageschaden für Wien, sollte das Haus in ein Billigkonzept umgewandelt werden. "Dieses Hotel gehört zur Identität der Stadt – seine Geschichte, sein Standard, seine internationale Bedeutung. Das darf nicht leichtfertig verspielt werden." Der Unternehmer betont auch, dass er in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen zur Stabilisierung der Holding gesetzt habe – inklusive Schuldübernahmen und Rangrücktritten in Millionenhöhe.
Jetzt soll der Fall juristisch noch einmal komplett aufgerollt werden. Al Jaber kündigt eine umfassende rechtliche Überprüfung der Verkaufsentscheidung an – und will alle in Österreich verfügbaren Rechtsmittel ausschöpfen. Wenn nötig, will er auch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anrufen. Es gehe dabei nicht nur um Geld oder Besitz, sondern um ein Grundsatzverfahren: "Es braucht klare Maßstäbe der Verantwortlichkeit – und einen fairen Umgang mit Eigentümern, die in Österreich investieren."