Chaos in Ungarn

So steht es um neuen Direktzug Wien-Belgrad wirklich

Eigentlich sollten seit März moderne Züge auf einer neuen Strecke nach Belgrad rollen – doch die Verantwortlichen sind seither abgetaucht.
Leo Stempfl
16.04.2026, 17:36
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Das Projekt löste nicht nur bei den Ungarn und Serben, sondern auch bei Menschen mit Balkan-Background in Österreich und Zug-Freunden in ganz Europa große Vorfreude aus. Seit 10 Jahren wird unter chinesischer Federführung die Bahnstrecke zwischen Budapest und Belgrad erneuert. Schon im Sommer hätten zwei Zugpaare, die direkt von Wien nach Belgrad fahren, den Betrieb aufnehmen sollen.

Der Westbalkan wäre damit endlich wieder gut von Europa aus erreichbar, statt einer Tagesreise dauert die Fahrt nur mehr 3 Stunden und 15 Minuten. Erste Testfahrten wurden im März medial groß inszeniert, als Startdatum der 15. des Monats genannt. Und dann: Funkstille.

Erst wurde in den Medien Ende März als Starttermin kolportiert. Ticketpreise, Bahnhöfe, Güterverkehr, alles steht bereit. Mittlerweile finden sich aber überhaupt keine aktuellen Informationen mehr. Das Wiener Magazin "Kosmo" ist der Sache deshalb nachgegangen.

Ungarn scheitern an ETCS

Demnach haben es die chinesischen Auftragnehmer in Ungarn nicht geschafft, das europäische Zugsicherheitssystem ETCS (bei Geschwindigkeiten von 160 km/h Pflicht) zum Laufen zu bringen. Laut "Telex.hu" traten bei der ersten Testfahrt Softwarefehler auf – auf einer Strecke, wo Züge mit Hunderten Passagieren an Bord unterwegs sind, ein No-Go.

Immer noch gibt es außerdem Unklarheit darüber, ob die Systeme von Ungarn und Serbien miteinander kompatibel sind. Eine Frage, die eigentlich schon vor Jahren geklärt hätte sein sollen. Zu allem Überfluss haben mitten im Prozess zwei der erfahrensten ETCS-Techniker die ungarische Staatsbahn MÁV verlassen.

"Spätestens im Mai"

Nicht zu vernachlässigen ist freilich auch die politische Komponente. Für Viktor Orbán wäre es wohl sehr unangenehm gewesen, nur zwei Wochen vor der Wahl eingestehen zu müssen, dass das Prestige-Bahnprojekt nicht rechtzeitig fertig wird. Der neue Regierungschef Péter Magyar könne jetzt Licht ins Dunkel bringen.

Immerhin: "Wir sprechen mit den ungarischen Kollegen, und deren Versprechen ist, dass die Strecke im April, spätestens im Mai dieses Jahres vollständig fertiggestellt wird", sagt Serbiens Bauministerin Aleksandra Sofronijević gegenüber "Kosmo". Dass schon im Sommer Züge von Österreich bis nach Belgrad durchfahren, gilt jedenfalls als unwahrscheinlich.

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