Auch wenn Kroatien für viele vor allem für seine traumhaften Landschaften und die ausgezeichnete Küche steht, entwickelt sich das Land zunehmend auch zu einem wirtschaftlich starken Player in der EU.
Das zeigt sich auch an der immer kräftigeren Zusammenarbeit zwischen Österreich und Kroatien: Mehr als 800 Firmen sind bereits vor Ort aktiv, tausende Jobs hängen daran – ein Boom, der zeigt, wie eng Österreich und das Westbalkanland wirtschaftlich verflochten sind.
Die wirtschaftliche Zusammenarbeit spielt auch für Niederösterreich eine große Rolle. Das Exportvolumen des flächengrößten Bundeslands nach Kroatien hat in den letzten Jahren stark zugelegt. 2020 betrugen die Warenexporte 191Mio. Euro, 2024 bereits 322Mio. Euro.
"Diese Zahlen zeigen: Unsere wirtschaftlichen Beziehungen sind stark und haben großes Wachstumspotenzial. Gerade in den Bereichen Energie, Industrie und Infrastruktur sehen wir große Chancen für weitere gemeinsame Projekte,“ so Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner während ihrer Delegationsreise in Zagreb – "Heute" war vor Ort.
Im Rahmen eines Arbeitstreffens mit dem kroatischen Premierminister Andrej Plenkovic brachte die Landeschefin ihre Unterstützung für einen EU-Beitritt der Westbalkan-Staaten zum Ausdruck. Mikl-Leitner und Plenkovic betonten, dass zügiger EU-Beitrittsprozess für die Staaten des Westbalkans entscheidend für Stabilität, Frieden und wirtschaftliche Entwicklung in Südosteuropa sei.
Niederösterreich sehe sich dabei als Partner und Brückenbauer für Reform- und Transformationsprozesse in der Region. Die Landeshauptfrau betont dazu. "Der Weg der Balkan-Staaten in die EU ist ein schwieriger, aber ein wichtiger Weg. Klar ist, dass für einen EU-Beitritt alle Kapitel abgeschlossen werden müssen. Gleichzeitig braucht es Perspektiven, damit sich gewisse Staaten nicht von Europa abwenden."
Die Initiative "Friends of the Western Balkans" unterstreiche dabei "das gemeinsame Interesse an einer beschleunigten, aber qualitätsvollen EU-Integration der Westbalkan-Staaten", so Mikl-Leitner. Kroatien spiele dabei als EU-Mitglied eine wichtige Vorreiterrolle.
Eine stärkere europäische Integration des Westbalkans bringe auch konkrete wirtschaftliche Vorteile für Niederösterreich. Die Region ist bereits heute ein wichtiger Exportmarkt für niederösterreichische Unternehmen. Ein EU-Beitritt würde stabile Rechtsstandards schaffen, Handelsbarrieren abbauen und die Investitionssicherheit erhöhen.
Gleichzeitig spielt der Westbalkan eine wichtige Rolle bei der Deckung des Fachkräftebedarfs - ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit der niederösterreichischen Wirtschaft. "Ein stabiler und integrierter Westbalkan ist im ureigenen Interesse Europas – politisch, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch," so Mikl-Leitner.
Ein weiteres zentrales Thema beim Kroatien-Besuch war die europäische Energieversorgung. Diese müsse man sicherstellen und nachhaltig diversifizieren, hielt die Landeshauptfrau fest. In Richtung Zukunft sei es vor allem wichtig, bei der Energiebeschaffung auf mehr Diversifikation zu setzen, betonte sie weiters. So soll vor allem die Abhängigkeit reduziert werden.
"Wir haben es zu Beginn des Ukraine-Kriegs erlebt und sehen es aktuell bei der Iran-Krise: Europas Energieversorgung ist sehr verletzlich. Die Energieversorgung ist die Achillesferse unserer europäischen Gemeinschaft. Daher muss Europa spätestens jetzt alles tun, um die EU mit leistbaren und verlässlichen Energiequellen zu versorgen. Wir müssen Europas Energieversorgung breiter aufstellen und unabhängiger machen. Nur so können wir Wirtschaftskraft und Wohlstand sichern", betonte Johanna Mikl-Leitner.