Seit Tagen befindet sich der Nahe Osten im dramatischen Ausnahmezustand. Israel und die USA starteten zuletzt einen neuen Großangriff auf den Iran. Mehrere Ziele in der Hauptstadt und weiteren Großstädten wurden getroffen.
Der Iran antwortete mit Gegenschlägen auf zahlreiche Länder am Persischen Golf. Unterdessen hat die Ausreise von Österreichern begonnen. Die ersten Menschen sind am Wiener Flughafen gelandet. Immer wieder gestaltet sich eine mögliche Rückkehr chaotisch.
"Heute" hat mit Parisa Ghasemi gesprochen, die einst an den Aufständen gegen das Regime teilgenommen hat und heute in Linz lebt. "Es ist so viel Angst da", sagt sie über die aktuelle Situation.
Was die Aktivistin und Künstlerin besonders hart trifft: Seit fünf Jahren darf sie nicht mehr in ihr Heimatland reisen. Die 38-Jährige ging dort gegen den damaligen Machthaber Mahmud Ahmadinedschad fast zwei Jahre demonstrieren. Irgendwann fühlte sie "Depression in der jüngeren Gesellschaft". "Ich hatte keine Hoffnung mehr und bin ausgewandert."
Die Sorge um ihre Liebsten arbeitet permanent in Ghasemi. Die einzige Verbindung nach Hause ins arg umkämpfte Teheran: Anrufe und wenn möglich Videocalls. Diese Woche meldete sich die Schwester telefonisch: "Wir sind noch am Leben."
Die Iranerin, die mit ihrem Mann in der OÖ-Landeshauptstadt wohnt, macht sich große Sorgen: "Mein Vater hat Krebs und sollte eigentlich einen Monat lang ins Spital. Ich weiß aber nicht, ob das überhaupt geht." Eine weitere schlimme Neuigkeit: "Nach einem Anschlag stürzte ein Gebäude auf das Haus eines Freundes. Er ist gestorben."
„Nach einem Anschlag stürzte ein Gebäude auf das Haus eines Freundes. Er ist gestorben.“Parisa Ghasemi
Der Glaube an einen freien Iran lebt dennoch. Für Parisa ist klar: Die Revolution sei nötig, Krieg hingegen nicht. "Krieg ist blind. Man weiß nicht, was passiert."