Familie nicht informiert

Spital entlässt Frau (89), sie stirbt alleine zu Hause

Tragischer Tod: Eine 89-Jährige wurde aus dem Krankenhaus entlassen und starb daheim. Mehrere Personen glaubten, die Pensionistin sei noch im Spital.
Oberösterreich Heute
13.11.2025, 04:00
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Personalnot, Bettenmangel, OP-Engpässe: Unser Gesundheitswesen stößt seit Jahren an seine Grenzen. Dramatischer Beleg für ein System am Limit: Eine 54-jährige Patientin starb vor kurzem mit Aorta-Riss im Klinikum Rohrbach, nachdem sie von mehreren Spitälern abgewiesen worden war.

Jetzt zeugt ein weiterer folgenschwerer Fall als Symptom von der stark kränkelnden Branche: Es geht um eine betagte Oberösterreicherin, die mehrmals zur Behandlung im Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Steyr war.

Die demente Diabetes-Patientin war am 25. Oktober einmal mehr in das Krankenhaus eingeliefert worden, berichten die "OÖN". Die Diagnose: ein zu hoher Blutzuckerspiegel. Zwei Tage später wurde Frau G. wieder heimgeschickt. Das Problem: Weder ihre Enkelin noch die zuständigen Pflegedienste wurden über die Entlassung telefonisch informiert.

Das Helfer-Netz war also nicht aktiviert, die 89-Jährige fand sich plötzlich unbeaufsichtigt und ohne Betreuung in ihrer Wohnung. Dort dürfte sie einen schweren Zuckerschock erlitten haben. G. stürzte, schlug mit dem Kopf am Boden auf, erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und starb.

Am 3. November fand sie ein Pfleger – per Zufall: Er hatte bemerkt, dass in der Wohnung noch Licht brannte, was ihm merkwürdig vorkam. Als der Mann hineinging, entdeckte er die tote Pensionistin und verständigte die Polizei. Ein Arzt stellte den Todeszeitpunkt fest: 28. Oktober, also der Tag nach der Entlassung.

"Ob meine Oma heute noch leben würde, weiß wohl niemand. Sicher ist aber, dass ihr Sterben würdevoller hätte sein können, als einsam und alleine in ihrer Wohnung", sagt die Enkelin zur Zeitung. Die Angehörige hatte bereits einen Heimantrag gestellt. Ihr gehe es nicht darum, einen Schuldigen zu finden, sondern darum, dass sich so etwas nicht wiederhole.

„Ihr Sterben hätte würdevoller sein können, als einsam und alleine in ihrer Wohnung.“
Die Enkelin

Die Frau, selbst diplomierte Pflegerin, appelliert an die Kollegen in den Spitälern: "Lieber einmal zu oft nachfragen als einmal zu wenig und dadurch das Leben eines Menschen aufs Spiel zu setzen. Sichert euch bei jeder Entlassung ab und fragt nach, ob alle notwendigen Schritte für die Versorgung zu Hause eingeleitet wurden."

Spitalsbetreiber räumt Fehler ein

Die zuständige OÖ-Gesundheitsholding räumt Fehler ein: Die Betroffene habe entlassen werden wollen, heißt es "Diesem Wunsch sind wir nachgekommen und haben einen Rettungstransport organisiert, da keine klinische Betreuungspflicht mehr bestand."

Üblicherweise informiere man bei der Entlassung von Patienten, deren häusliche Versorgung möglicherweise nicht gesichert ist, die Familie oder Kontakte. "Dieser Schritt ist unterblieben." Die Entscheidung werde stets unter Einbeziehung der Angaben des Patienten getroffen, wie glaubhaft eine Selbstversorgung einzuschätzen ist. Unser Bedauern gilt den Angehörigen."

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 13.11.2025, 10:25, 13.11.2025, 04:00
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