2019 war der Neubau (Baubeginn für 2029 geplant) des Landesklinikums Wr. Neustadt mit 561,75 Mio. € budgetiert, im April 2025 waren bereits 1,465 Mrd. € dafür vorgesehen.
In seiner Prüfung kritisiert jetzt der Landesrechnungshof Niederösterreich auch fehlende Projektteile: Kinderbetreuungseinrichtung, Anbindung ans MedAustron-Zentrum sowie die Gesundheits- und Krankenpflegeschule, Parkdeck – darauf sei nicht Rücksicht genommen worden.
Erst auf Drängen der Prüfer wurden vom NÖ Landtag dafür im Jahr 2022 zusätzliche Mittel von 150 Mio. Euro genehmigt. Direktorin Edith Goldeband zu "Heute": "Wichtig ist, dass es eine ordentliche Projektorganisation gibt und die notwendigen Zusatzprojekte eingearbeitet wurden."
Die Neos orten Missmanagement, die Grünen "Chaos in der Gesundheitspolitik in NÖ".
Das Land hatte 2025 hingegen argumentiert, dass es jetzt zahlreiche Mehrleistungen gäbe, die für das neue Spital – das bestehende ist am derzeitigen Areal nicht mehr zeitgemäß – vorgesehen seien: Dazu zählen laut einem Factsheet die Verlagerung der Akut-Pneumologie vom Standort LK Hochegg, die Etablierung eines Onkologie-Kompetenzzentrums mit allen Diagnostik- (PET-CT) und Therapieformen inkl. Strahlentherapie, Hybrid-OP-Säle und Operationsroboter. Dazu kommen ein kombiniertes Notfall- und Traumazentrum unter Einbindung vorgelagerter Strukturen wie Primärversorgungszentren und Erstversorgungsambulanz, eine interdisziplinäre, standardisierte Allgemeinpflegestationen zur optimalen Bettenauslastung, eine zentrale OP-Gruppe zur ressourcenoptimierten chirurgischen Versorgung und die Forcierung tagesklinischer Eingriffe in einem minimalinvasiven interdisziplinären Eingriffszentrum.
Ursprünglich war das Spital in Neunkirchen als Referenzhaus angenommen worden, nun ist es das Spital in St. Pölten – vom einfachen Landesklinikum über ein Schwerpunktklinikum, jetzt zum Zentralklinikum.
Immer wieder änderten sich die Anforderungen für das neue Spital, aktuell ist der Gesundheitsplan 2040+ die Grundlage für den Neubau in Wr. Neustadt. Dazu heißt es seitens des Landesrechnungshofes: "Hinzu kamen betriebliche, medizinische und technische Entwicklungen, veränderte finanzielle und rechtliche Grundlagen und die Empfehlungen des Expertengremiums zum "Niederösterreichischen Gesundheitspakt – Gesund sein. Gesund werden. Gesund bleiben.", die dem Landtagsbeschluss vom 27. März 2025 entsprechend umzusetzen waren. Demnach war der Versorgungsauftrag für das neue NÖ Universitätsklinikum Wiener Neustadt auf den Regionalen Strukturplan Gesundheit für Niederösterreich 2030 und das Zielbild 2040+ des NÖ Gesundheitspakts auszurichten."
Auch die Bettenanzahl variierte im Laufe der Jahre: "Zudem änderte sich der Versorgungsauftrag und damit die Anzahl der Betten von 820 im Jahr 2016 auf 680 Betten im Jahr 2019 und 722 ab dem Jahr 2024. Die Bettenkapazität des NÖ Universitätsklinikums Wiener Neustadt stellte eine maßgebliche Grundlage für die Projektentwicklung, die Planung und die Errichtungskosten des Neubaus des Klinikums dar und wirkte sich in weiterer Folge auf die Betriebskosten aus."
Die NÖ Landesgesundheitsagentur und die NÖ Landesregierung sagten in ihren Stellungnahmen vom 3. März 2026 beziehungsweise vom 10. März 2026 im Wesentlichen zu, die Empfehlungen des Landesrechnungshofs umzusetzen, und informierten über die dazu geplanten beziehungsweise bereits gesetzten Maßnahmen, heißt es seitens des Landesrechnungshofes NÖ.
In seiner Äußerung bekräftigte der Landesrechnungshof unter anderem, "dass für die weiteren Planungen und die bauliche Umsetzung des neuen NÖ Universitätsklinikums Wiener Neustadt der Versorgungsauftrag entsprechend dem Regionalen Strukturplan Gesundheit für Niederösterreich 2030 und dem Zielbild 2040+ des "NÖ Gesundheitspakts – Gesund sein. Gesund werden. Gesund bleiben." festzulegen wäre".
Edith Goldeband, Direktorin des Landesrechnungshofes, betonte gegenüber "Heute": "Ein beratender Prüfungsansatz ist uns sehr wichtig." Es sei freilich besser im Zuge des Prozesses für den Neubau Verbesserungs- und Änderungsvorschläge ansprechen zu können, als im Nachhinein zu kritisieren, wenn das Gebäude schon fertig ist.
In dem Prozess seien zudem viele Player involviert – die LGA, die Stadt. Wr. Neustadt, der Gesundheitsfonds, Abteilungen des Landes, die Landespolitik.
Neos-Gesundheitssprecherin Edith Kollermann kritisiert: "Wir haben die ÖVP bereits 2019 davor gewarnt, dass die Kosten die Milliardenmarke überschreiten werden. Damals wurden wir belächelt – heute sehen wir: Die Kosten haben sich sogar mehr als verdoppelt. Dieses Missmanagement kostet die Menschen im Land bares Geld und schränkt den finanziellen Spielraum für dringend notwendige Investitionen in die Gesundheitsversorgung ein. Es sind vor allem aber keine guten Vorzeichen für den Klinikneubau im Weinviertel."
Kollermann fordert von der schwarz-blauen Landesregierung neben einer Professionalisierung der Projektsteuerung auch vollständige Transparenz über die Gesamtkosten, die Finanzierung und die Folgekosten. Darüber hinaus sehen die Neos mit Blick auf den Neubau des Klinikums im Weinviertel einen immensen Reformdruck im Land. "Die Zeit des Kaschierens ist vorbei. Es gibt kein Familiensilber mehr, das man verkaufen kann, um Budgetlöcher zu stopfen. Wenn wir ein neues Klinikum im Weinviertel wollen, müssen wir jetzt strukturelle Reformen angehen – sonst gefährden wir die Gesundheitsversorgung der Zukunft", so Kollermann, die betont, dass man weiterhin klar hinter dem Neubau im Weinviertel stehe - das Doppelbudget im Juli werde der erste Prüfstein am Weg zur Umsetzung sein.
Und die nö. Grünen laden am Donnerstag zu einer Pressekonferenz: "Kostenexplosion und Planungslücken: Aktueller Rechnungshof-Bericht zum Neubau des Klinikums Wiener Neustadt - ein weiterer Baustein im Gesundheitschaos von Niederösterreich."