Ein Tag auf der Piste endete für Kathrin E. mit Schmerzen, Ärger und einer Rechnung, die der 21-Jährigen den Boden unter den Füßen wegzog: Ende Jänner hatte die Niederösterreicherin im Skigebiet Dachstein-West einen Skiunfall mit Fahrerflucht.
"Ich war mit einer Freundin Skifahren, als ich von hinten von einem Mann zusammengefahren wurde. Ich habe sofort gespürt, dass mein Schlüsselbein gebrochen ist. Ich hatte starke Schmerzen", so Kathrin E. im "Heute"-Gespräch.
Mit einem Schneemobil wurde die junge Frau schließlich zur Seilbahn gebracht, damit fuhr sie eigenständig zur Talstation. Von Anfang an war ihr klar: Ein Hubschraubereinsatz ohne private Versicherung würde richtig teuer werden.
"In der Talstation wurde ich von zwei Rotkreuz-Mitarbeitern im Notfallraum behandelt und habe Schmerzmittel bekommen. Da war der Unfall schon eine Stunde her und ich habe die ganze Zeit mein Schlüsselbein knacken gehört", erinnert sich die Frau aus der Nähe von Krems.
Im Notfallraum untersuchte sie schließlich eine Ärztin. Das Ergebnis: Kathrin E. war problemlos transportfähig. Geplant war daher ein Transport mit dem Rettungsauto ins Spital. Doch dieses kam nicht.
"Mir wurde dann gesagt, dass wegen Personalmangels und wegen zeitlicher Engpässe kein Rettungsauto für mich frei ist. Stattdessen sollte ein Hubschrauber kommen. Ich habe aber gesagt, ich habe keine private Versicherung und will deshalb nicht den teuren Hubschrauber nehmen. Es ist ja nicht meine Schuld, dass das Rote Kreuz nicht genug Autos hat", so die 21-Jährige gegenüber "Heute".
Und weiter: "Insgesamt viermal wurde mir von Rotkreuz-Mitarbeitern versichert, dass ich fix keine Kosten für den Hubschrauber zahlen muss. Erst danach habe ich mich getraut, in den Hubschrauber zu steigen."
Noch am selben Tag hatte die diplomierte Buchhalterin in Bad Ischl eine Operation, ihr wurden Schrauben und eine Platte implantiert. Drei Wochen später – sie war noch immer in der Genesungsphase – kam die böse Überraschung: Das Österreichische Rote Kreuz Salzburg stellte ihr stolze 8.027,77 Euro in Rechnung.
E.: "Ich habe den Briefkasten zu Hause geöffnet, das Schreiben gelesen und mir wurde sofort übel. Ich dachte noch, es liegt eine Verwechslung vor. Das konnte ja nicht wahr sein."
In der Hiobsbotschaft wurde sie auf die Möglichkeit eines Kulanzantrags hingewiesen. Nachdem sie dieses Angebot angefragt hatte, hieß es Wochen später, die Summe könne auf 6.000 Euro gesenkt werden – noch immer ungerechtfertigt für Kathrin E.
Erst nachdem sich der Volksanwalt Bernhard Achitz, die Arbeiterkammer Niederösterreich und die ORF-Sendung "Bürgeranwalt" eingeschaltet hatten, lenkte das Rote Kreuz ein und verzichtete auf den Kostenbeitrag.
"Letztlich hat die Arbeiterkammer das Rote Kreuz Salzburg für mich angerufen und gesagt, dass mein Fall in eine 'Bürgeranwalt'-Sendung im ORF kommen soll. Nachdem das Rote Kreuz zuvor wochenlang für Rückmeldungen gebraucht hat, wurde diesmal ganz schnell reagiert: Binnen Stunden nach diesem Anruf wurde die Rechnung storniert. Ich musste also doch nichts für den Hubschrauber zahlen", so die Kremserin gegenüber "Heute". Sie kritisiert, dass es scheinbar das Androhen mit medialer Aufmerksamkeit benötige, bis "ungerechtfertigte Rechnungen" zurückgezogen werden.
Für Volksanwalt Bernhard Achitz bleibt trotzdem ein grundsätzliches Problem: In Salzburg betreibt das Rote Kreuz nicht nur die Hubschrauberrettung, sondern ist vom Land auch als Leitstelle für Rettungs- und Krankentransporte eingesetzt. Genau diese Doppelfunktion sieht der Volksanwalt kritisch.
Er stellt die Frage, ob eine Leitstelle, die selbst Hubschrauber betreibt, womöglich auch ein wirtschaftliches Interesse daran haben könnte, genau diese Hubschrauber einzusetzen. "Man könnte vermuten, dass das Rote Kreuz als Leitstelle gerne den Rotes-Kreuz-Hubschrauber schickt, um für Auslastung und Umsatz zu sorgen."
Laut "Krone" würde das Salzburger Rote Kreuz dem widersprechen. Es werde von einer Vermittlungsfunktion und keinem wirtschaftlichen Interesse gesprochen, heißt es etwa. Zudem hätte in Kathrin E.s Fall die Leitstelle Salzkammergut den Flug bestellt.