Schon seit Wochen spitzte sich die Corona-Lage in Österreich zu. Am heftigsten waren die Entwicklungen aber in Oberösterreich und Salzburg. Zuletzt war die Situation in den Spitälern in diesen beiden Bundesländern mehr als angespannt.
Erste Krankenhäuser hatten keine Intensivbetten mehr frei. Aus diesem Grund hat man hier – noch vor dem Rest des Landes – einen allgemeinen, ab Montag geltenden Lockdown für alle beschlossen. Davor wurden die Maßnahmen, neben der Verkündung eines Lockdowns für Ungeimpfte, auch deutlich verschärft.
Angesichts der dramatischen Entwicklungen kam man schließlich doch nicht um einen allgemeinen Lockdown herum. Zu dem Thema war am Samstag Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) bei Klaus Webhofer "Im Journal zu Gast". Es handele sich "um eine ernste Lage", schilderte der Politiker eingangs. Ein Lockdown war daher – unabhängig davon, ob er bundesweit gekommen wäre – unabdingbar.
„"Niemand kann alles richtig machen"“
Man habe stets versucht entsprechend auf aktuelle Entwicklungen einzugehen und Maßnahmen sehr rasch zu setzen. Dass dabei aber Fehler passieren, sei nicht zu leugnen. Dementsprechend sei Kritik auch berechtigt, aber: "Niemand kann alles richtig machen – auch ich nicht", stellt Stelzer an dieser Stelle klar.
Es gibt gewiss keine Ausreden, dennoch müsse man nun nach vorne schauen und den Kampf gegen die Pandemie fortsetzen. In erster Linie gehe es darum, die Gesundheit der Menschen, das Gesundheitswesen und die Mitarbeiter des selbigen zu schützen. Ein wichtiger Schritt hierbei ist die Impfung.
Man habe in den vergangenen Wochen laut Stelzer viele Impfangebote gelegt – "sehr breit und niederschwellig", über das gesamte Bundesland verteilt. Dennoch sei es nicht gelungen, genug Menschen zu einer Impfung zu bewegen, was sich wiederum in den Zahlen niedergeschlagen hat. Aus diesem Grund war ein Lockdown als massive Maßnahme unausweichlich.
„Lockdown in OÖ wohl länger“
Der allgemeine Lockdown soll laut Angaben der Regierung spätesten am 12. Dezember enden, jener für Ungeimpfte werde auch darüber hinaus fortgesetzt. In Oberösterreich wird der Lockdown für alle wohl aber länger dauern.
"Aus heutiger Sicht wird der Lockdown für Oberösterreich wohl länger dauern müssen", erläuterte der Landeschef im Ö1.
Sich dabei an konkreten Corona-Zahlen zu orientieren sei nicht möglich. Fest steht aber, dass die täglich verzeichneten Neuinfektionszahlen, die sich in Oberösterreich derzeit bei durchschnittlich 4.000 belaufen, "deutlich nach unten müssen". Gleiches gilt auch für die Zahl der (Intensiv-)Patienten in den Krankenhäusern. Auch die Zuwächse müssten deutlich sinken, "damit es zu einer Entlastung in den Spitälern kommt", stellt Stelzer klar.
„Lockdown über Weihnachten?“
Ob der Lockdown auch über Weihnachten hinaus dauern könnte, wagt der Landeshauptmann indes nicht zu beantworten. "Delta hat uns schon so viele Überraschungen beschert, dass ich nicht mit Zahlen hantieren möchte." Eine Verlängerung des Shutdowns auch über Weihnachten sei durchaus möglich, dennoch wünsche er sich dies nicht:
"Ich bin ehrlich, ich kann nicht prognostizieren wie dieser Lockdown wirkt, ich kann daher keine Versprechungen machen."
Dennoch liegen seine Hoffnung darin, dass zumindest für Geimpfte ein Weihnachten, "wie wir es kennen und gewohnt sind" möglich sein wird. Versprechen könne er es angesichts der aktuellen Lage allerdings nicht.
„Impfungen sind Schlüssel“
Ein weiteres Mal betonte er die enorme Wichtigkeit der Impfung im Kampf gegen Corona. Aus diesem Grund habe man das Impfangebot um zusätzliche Impfstraßen und auch eine Impflotterie erweitert. In den letzten Tagen sei das Angebot auch deutlich stärker in Anspruch genommen worden.
Doch die Impfzahlen werden vor allem durch Zweit- und Drittstiche vorangetrieben, schildert Stelzer. Erststiche seien es derzeit "noch immer zu wenige". Die für Februar angekündigte "Impfpflicht soll uns da rausziehen", hofft der Landeschef.