Unkraut vergeht nicht

Hecken-Häkel: "Für mich saß Falscher auf Anklagebank"

Ein Wiener ist in einer Stadtrand-Siedlung als Querulant bekannt, brachte einen Nachbar vor Gericht – weil er eine Hecke im eigenen Garten stutzte.
Thomas Peterthalner
04.11.2025, 06:30
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Verbrannte Erde in einer Genossenschafts-Siedlung am Stadtrand von Wien. Ein kleinkarierter Wiener (52) geht seinen Nachbarn mit Dauer-Beschwerden auf die Nerven, Bewohner gehen lieber schnell und leise am Grundstück des biederen Ehepaares vorbei – niemand will eine Anzeige wegen Lärmbelästigung riskieren. Der friedliche Schein der Gartensiedlung trügt.

Häkel um Hecke

Der heißgelaufene Nachbarschaftsstreit beschäftigte am Montag (3.11.) sogar das Straflandesgericht. Der als Querulant bekannte Anwohner hatte einen Nachbarn (42) wegen Sachbeschädigung angezeigt – weil dieser den Überwuchs einer Thujenhecke auf seinem eigenen Grundstück zurechtgestutzt hatte. Vor Gericht forderte der 52-Jährige 5.000 Euro für die Wiederherstellung und 1.000 Euro Schadenersatz.

Verteidiger Kevin Bachura (Kanzlei Januschke) ließ sich nicht häkeln.
Denise Auer

"Verhältnis ist unterkühlt"

Man habe früher eine "gute Nachbarschaft gehabt". "Er hat Packerl für mich angenommen, ich für ihn." Man habe sich gegrüßt. Doch seit dem Streit um die gestutzte Hecke sei man sich nicht mehr ganz grün, das Verhältnis sei "unterkühlt".

"Er hat die Hecke geschnitten, als wir am 22. April nicht zuhause waren", so die Gattin des 52-Jährigen im Zeugenstand. "Er hat sie bis zum Stamm zurück geschnitten, ich war schockiert." Man habe plötzlich keinen Sichtschutz mehr gehabt. Die Hecke sei rund einen Meter auf das Grundstück des 42-Jährigen gewachsen.

Die Hecke vor dem Schnitt in dem Garten des Angeklagten.
Privat

"Hecke in gepflegtem Zustand"

Stimmt nicht, konterte ihr Ehemann. Es seien höchstens 15 Zentimeter gewesen. "Die Hecke war in einem gepflegten Zustand." Er habe "höchstens ein paar braune Asterln" bemerkt. Der Angeklagte habe die Hecke zerstört, solle zahlen.

"Hecke war ganz braun"

Der 42-jährige Angeklagte fiel aus allen Wolken. "Ich habe die Hecke nur auf meiner Seite bis zum Zaun abgeschnitten. Sie war durch Pilzbefall auf der ganzen Seite braun." Er habe sich vor dem Abschnitt noch mit dem Obmann der Gartensiedlung abgesprochen. Dieser habe gemeint, es sei in Ordnung.

"Der Falsche auf Anklagebank"

Weil kein Vorsatz erkennbar war und der Abschnitt auf der eigenen Gartenseite völlig legal war, setzte es einen Freispruch. Der Angeklagte ging heim, musste nichts zahlen – doch rechtskräftig ist das Urteil noch nicht. "Für mich saß heute der Falsche auf der Anklagebank", kommentierte ein Anrainer den Häkel um die Hecke. Von den Bewohner glaubt keiner, dass der Streit mit dem vermeintlichen Querulanten nun vorbei ist.

{title && {title} } pet, {title && {title} } 04.11.2025, 06:30
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