Tchibo führt in Österreich ein neues Pfandsystem für Kaffeebohnen ein. Nach Angaben des Unternehmens ist es das erste Mehrweg-Pfandsystem für losen Bohnenkaffee im Austro-Einzelhandel. Das Pilotprojekt startet ab sofort in 30 Filialen in Wien und drei Filialen in Graz. Umgesetzt wird es gemeinsam mit dem Mehrweg-Spezialisten circolution.
Kunden können sich in den teilnehmenden Filialen Kaffeebohnen direkt in eine wiederverwendbare Pfanddose abfüllen lassen. Wer das Mehrwegsystem nutzt und eine TchiboCard hat, bekommt dafür 30 TreueBohnen gutgeschrieben. Das entspricht laut Tchibo einem Gegenwert von 30 Cent.
Das Prinzip soll möglichst unkompliziert sein. Kunden wählen in der Filiale eine Mehrwegdose in einer von zwei Größen: 250 Gramm oder 500 Gramm. Danach wird die Dose mit dem gewünschten Bohnenkaffee befüllt. Dafür fällt ein Pfand von insgesamt vier Euro an – drei Euro für die Dose, ein Euro für den Deckel. Bei der Rückgabe in einer teilnehmenden Filiale wird das Pfand wieder ausbezahlt. Die Dose wird anschließend gereinigt und kommt erneut zum Einsatz.
Tchibo will mit dem System nicht nur Verpackung sparen, sondern auch Anreize schaffen. "Wir wollen nachhaltiges Verhalten nicht nur ermöglichen, sondern auch motivieren, mitzumachen", sagt Paul Unterluggauer, Geschäftsführer von Tchibo Österreich. "Die Mehrwegdose macht Kreislaufwirtschaft im Alltag konkret erlebbar – ohne Aufwand für unsere Kunden."
Das neue Angebot baut auf bestehenden Möglichkeiten in den Filialen auf. Kunden konnten Bohnenkaffee bei Tchibo bereits seit Jahren unverpackt in mitgebrachte Behälter oder in vor Ort erhältliche Kaffeedosen abfüllen lassen. Mit der Pfanddose soll das nun einfacher werden.
Der Vorteil aus Sicht des Unternehmens: Kunden müssen nicht schon daheim daran denken, eine eigene Dose mitzunehmen, sondern können sich spontan in der Filiale für die müllsparende Variante entscheiden.
Unterluggauer sieht darin den nächsten Schritt nach den bisherigen Erfahrungen mit Mehrwegbechern beim Kaffee zum Mitnehmen. "Nach unseren Erfahrungen mit Mehrwegbechern im Coffee-to-go-Bereich war die Kaffeebohne der logische nächste Schritt", so Unterluggauer. Gemeinsam mit circolution habe man ein System entwickelt, "das sich nahtlos in bestehende Abläufe integriert – sowohl für Kunden als auch für unsere Mitarbeiter".
Hintergrund des Projekts ist auch die neue EU-Verpackungsverordnung PPWR. Sie zielt darauf ab, Verpackungsmüll zu reduzieren und Mehrwegsysteme auszubauen. Tchibo legt bewusst früher los und spricht von praxisnahen Lösungen für einen ressourcenbewussten Umgang.
Das Unternehmen verweist zudem auf Studien, wonach Verpackungsmüll für viele Kunden ein wichtiges Thema ist. Demnach sehen 90 Prozent der Konsumenten Verpackungsmüll als größtes Nachhaltigkeitsproblem. 77 Prozent nennen Müllvermeidung als wichtigsten Grund für Mehrweg. 71 Prozent nutzen Mehrwegverpackungen grundsätzlich meistens oder immer.
Die neuen Pfanddosen gibt es in zwei Größen. Die kleinere Dose fasst 250 Gramm und soll sich laut Tchibo vor allem zum Ausprobieren neuer Sorten eignen. Die größere Variante ist für 500 Gramm gedacht. Die Dose besteht aus Edelstahl, der Deckel aus Kunststoff. Jede Dose soll mindestens 50 Umläufe schaffen. Befüllt werden kann sie mit allen losen Bohnenkaffees im Sortiment, darunter Barista, PrivatKaffees und die jeweils aktuelle Rarität.