Kontrolle bleibt umstritten

TikToks neuester Schachzug umgeht das US-Verbot

TikTok gründet mit US-Partnern ein Gemeinschaftsunternehmen, um in den USA weiter aktiv zu bleiben. Die Kontrolle bleibt umstritten.
Digital  Heute
23.01.2026, 20:41
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Die Videoplattform TikTok hat ein Gemeinschaftsunternehmen mit einer US-Mehrheitsbeteiligung gegründet, damit sie in den USA weiter aktiv bleiben kann. Mit dabei sind die US-Firmen Oracle und Silver Lake sowie MGX aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, wie TikTok mitgeteilt hat. Das "unabhängige" Unternehmen wird von einem siebenköpfigen Vorstand geleitet, zu dem auch TikTok-Chef Shou Chew und Führungskräfte großer Investmentfirmen zählen.

Laut TikTok halten der Softwarekonzern Oracle, die Investmentfirma Silver Lake und der staatliche Investor MGX aus Abu Dhabi jeweils 15 Prozent am Gemeinschaftsunternehmen. Oracle-Gründer Larry Ellison ist ein langjähriger Vertrauter von US-Präsident Donald Trump. Zusätzlich sind noch weitere US-Investoren an Bord. Der chinesische Mutterkonzern Bytedance behält 19,9 Prozent der Anteile am neuen Unternehmen. Das liegt knapp unter der 20-Prozent-Grenze, die Bytedance durch ein Gesetz von Trumps Vorgänger Joe Biden auferlegt wurde.

Cybersicherheit soll US-Standards enstprechen

Dieses Gesetz zwingt Bytedance, das US-Geschäft von TikTok zu verkaufen, um einen Rauswurf aus den App-Stores zu verhindern. Washington hat das mit nationalen Sicherheitsinteressen begründet. Es gab die Sorge, dass auf TikTok chinesische Propaganda verbreitet oder US-Nutzer ausspioniert werden könnten. Trump hat die Gründung des Gemeinschaftsunternehmens begrüßt. "Ich freue mich so sehr, dazu beigetragen zu haben, TikTok zu retten", erklärte er auf seinem Onlinedienst Truth Social.

Außerdem bedankte er sich bei Chinas Präsident Xi Jinping, "dass er mit uns zusammengearbeitet und letztlich der Vereinbarung zugestimmt hat." Die Vereinbarung sieht vor, dass US-Nutzerdaten im Cloud-System von Oracle gespeichert werden. Die Cybersicherheit soll von unabhängigen Experten überprüft werden und US-Standards entsprechen. Das Gemeinschaftsunternehmen übernimmt laut Angaben die Entscheidungsgewalt über Sicherheitsrichtlinien und die Moderation von Inhalten für US-Nutzer.

TikTok will alles wie gewohnt laufen lassen

TikTok behält weiterhin die Kontrolle über Bereiche wie Werbung, Online-Verkauf und Konzernkommunikation und ist für die "globale Interoperabilität" der Onlineplattform zuständig. Die Analystin Jasmine Enberg sagte zur Nachrichtenagentur AFP, es gebe immer noch offene Fragen, wie es jetzt weitergeht. "Hinter den Kulissen arbeitet TikTok wahrscheinlich hart daran, den Werbekunden zu versichern, dass alles wie gewohnt weiterlaufen wird", sagte Enberg.

"Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass die Nutzer eine neue App herunterladen müssen, werden die Markenpartner wissen wollen, dass ihre TikTok-Strategien nicht gestört werden."

Trump gegen TikTok, plötzlich brauchte er es

TikTok ist besonders bei jungen Leuten beliebt und hat in den USA mehr als 200 Millionen Nutzer. Schon in seiner ersten Amtszeit hatte Trump gegen TikTok Maßnahmen ergriffen. Im Wahlkampf spielte das Netzwerk dann aber eine wichtige Rolle. Seit seinem Amtsantritt im Jänner hat Trump die Bytedance gesetzte Frist zum Verkauf von TikTok mehrmals verlängert, um mit China eine gemeinsame Lösung zu finden.

Im September hat das Weiße Haus eine Grundsatzeinigung mit Peking verkündet, die den Anforderungen des US-Gesetzes entspricht. Damals hat Trump schon ausdrücklich Oracle-Gründer Ellison, einen der reichsten Männer der Welt, als wichtigen Akteur der Vereinbarung genannt. Ellison ist zuletzt durch seine Geschäfte mit Trump wieder ins Rampenlicht gekommen. Der Milliardär ist immer stärker im Mediengeschäft aktiv.

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