Es wäre ein langer und beschwerlicher Weg – doch die ersten Ansagen gelten vielversprechend.
Das angekündigte Aus für das Tiefkühlwerk von Ardo in Groß-Enzersdorf (NÖ) hat die heimische Landwirtschaft erschüttert. Rund 350 Bauern im Marchfeld verlieren damit einen wichtigen Abnehmer, auch die Zukunft von rund 240 Arbeitsplätzen steht auf dem Spiel.
Doch jetzt gibt es neue Hoffnung für das Marchfelder Tiefkühlgemüse: Der oberösterreichische Gemüseverarbeiter Efko will gemeinsam mit Partnern eine neue Produktion in Österreich aufbauen.
Wie der "Standard" am Freitag berichtet, laufen bereits intensive Gespräche mit Politik, Industrie und Handel. Efko-Chef Thomas Krahofer zeigt sich grundsätzlich bereit, in die Tiefkühlproduktion einzusteigen. "Tiefkühlgemüse würde gut zu uns passen. Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen", erklärt er gegenüber dem "Standard".
Hintergrund ist die Entscheidung des belgischen Lebensmittelkonzerns Ardo, sein Werk in Groß-Enzersdorf zu schließen. Spätestens 2027 soll dort die Produktion von Tiefkühlgemüse enden. Jährlich werden am Standort rund 40.000 Tonnen Spinat, Erbsen, Bohnen, Karotten und Kräuter verarbeitet.
Für die rund 350 betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe ist das ein schwerer Schlag. Auch die heimischen Supermärkte könnten künftig stärker auf importiertes Tiefkühlgemüse angewiesen sein.
Ardo begründet den Rückzug mit wirtschaftlichen Problemen. Während andere Werke des Konzerns im Schnitt rund 100.000 Tonnen Gemüse jährlich verarbeiten, sind es in Groß-Enzersdorf nur 40.000 Tonnen. Dazu kommt ein erheblicher Investitionsbedarf.
Nun könnte ausgerechnet ein oberösterreichisches Unternehmen zum Hoffnungsträger werden. Efko mit Sitz in Eferding verarbeitet jährlich rund 90.000 Tonnen Gemüse von 135 Landwirten. Das Unternehmen beschäftigt 670 Mitarbeiter an sechs Standorten und erzielt knapp 200 Millionen Euro Umsatz.
Gemeinsam mit dem Familienunternehmen Schneider's Gemüseland und der Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG) will Efko Möglichkeiten für eine Fortführung der heimischen Tiefkühlproduktion ausloten.
Billig wird die Rettung allerdings nicht. Branchenexperten rechnen für eine neue Tiefkühlproduktion mit Investitionen zwischen 50 und 75 Millionen Euro. Die Bauzeit würde mindestens eineinhalb Jahre betragen.
Eine Übernahme des bestehenden Ardo-Werks gilt hingegen als schwierig. Der mehr als 60 Jahre alte Standort liegt mitten im Wohngebiet und ist technisch veraltet. Besonders problematisch ist die Kühlanlage, die mit giftigem Ammoniak betrieben wird. Eine umfassende Modernisierung wäre teuer, auch der Rückbau könnte erhebliche Kosten verursachen.
Einen Blankoscheck will Efko allerdings nicht ausstellen. Krahofer fordert einen gemeinsamen Kraftakt von Politik, Lebensmittelindustrie und Supermarktketten. "Wir brauchen mehr als Lippenbekenntnisse", stellt der Efko-Chef gegenüber dem "Standard" klar.
Auch die Supermärkte nimmt Krahofer in die Pflicht. Diese würden immer stärker auf Eigenmarken setzen, bei denen die Herkunft der Rohstoffe nicht klar ersichtlich sei. Gleichzeitig könnten große Lebensmittelhersteller wie Iglo vergleichsweise einfach auf Importware ausweichen.