US-Präsident Donald Trump drängt auf deutlich niedrigere Zinsen. Doch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hält an ihrem Kurs fest und lässt den Leitzins vorerst unverändert. Die Zinsspanne bleibt damit bei 3,75 bis 4,00 Prozent.
Mit dieser Entscheidung hatten die meisten Volkswirte bereits gerechnet. Erst Mitte September hatte die Fed die Zinsen um 0,25 Prozentpunkte erhöht – zum ersten Mal seit Juli 2023. Nun richtet sich der Blick auf die letzte Zinssitzung des Jahres im Dezember. An den Finanzmärkten wird bereits mit einer weiteren Anhebung gerechnet.
Grund für den vorsichtigen Kurs sind vor allem die weiterhin hohen Verbraucherpreise in den USA. Im September lag die Inflationsrate bei 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Damit ist die Teuerung beinahe doppelt so hoch wie das Zwei-Prozent-Ziel der Fed.
Besonders die gestiegenen Energiekosten treiben die Preise nach oben. Wichtige Rohstoffe wie Erdöl haben sich infolge des Iran-Kriegs zuletzt deutlich verteuert. Zusätzlichen Preisdruck verursachen laut dem Bericht der Boom rund um Künstliche Intelligenz und die weiterhin robusten Konsumausgaben.
Gleichzeitig wächst die Beschäftigung in den USA deutlich langsamer. Für die Notenbank ergibt sich daraus eine schwierige Situation: Sie muss die Inflation bekämpfen, ohne den Arbeitsmarkt zu stark zu belasten.
Innerhalb der Fed gibt es deutliche Signale für eine weitere Straffung der Geldpolitik. Bei den jüngsten Prognosen im September rechneten 16 von 18 befragten Fed-Mitgliedern mit mindestens einer zusätzlichen Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte im laufenden Jahr. Vier davon hielten sogar noch stärkere Schritte für möglich.
Auch für 2027 erwarten zahlreiche Notenbanker ein vergleichsweise hohes Zinsniveau. Laut den September-Projektionen gingen 14 Mitglieder für das kommende Jahr von einem Leitzins von mindestens 4,00 bis 4,25 Prozent aus. Eine knappe Mehrheit dieser Gruppe rechnete sogar mit 4,25 bis 4,50 Prozent.
Aktualisierte Prognosen sollen bei der Dezember-Sitzung veröffentlicht werden. Experten sehen schwierige Entscheidungen. "Weder Inflation noch Beschäftigung liefern den Notenbankern ein klares Signal", erklärte Christian Scherrmann, US-Chefvolkswirt beim Vermögensverwalter DWS.
Fed-Chef Kevin Warsh dürfte nach Einschätzung des Experten im Zweifelsfall der Bekämpfung der Inflation den Vorrang geben. Auch Stephan Bales, US-Experte der deutschen Förderbank KfW, hält angesichts des anhaltenden Preisdrucks eine weitere Zinserhöhung im Dezember für kaum vermeidbar.
Trump verfolgt dagegen einen völlig anderen Kurs. Er verlangt seit Längerem deutlich niedrigere Leitzinsen und forderte zuletzt, diese sollten "bei einem Prozent oder darunter liegen". Aus Sicht von Experten wäre eine solche Senkung angesichts der aktuellen Wirtschaftsdaten allerdings nicht zu begründen.
Niedrigere Zinsen würden Kredite für Unternehmen und Verbraucher zwar günstiger machen und könnten damit die Wirtschaft ankurbeln. Gleichzeitig besteht aber die Gefahr, dass die Inflation dadurch weiter steigt.
Höhere Zinsen wirken dagegen bremsend auf Konsum und Investitionen, können aber helfen, den Preisanstieg einzudämmen.
Nicht nur in den USA steht eine wichtige Zinsentscheidung an. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte bei ihrer Sitzung am Donnerstag in Frankfurt auf eine weitere Anhebung verzichten.
Volkswirte erwarten, dass der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins trotz gestiegener Inflation bei 2,5 Prozent bleibt. Damit zeichnet sich auf beiden Seiten des Atlantiks vorerst eine Zinspause ab.