2019 eröffneten Sijawasch Hayat-Khayyati und seine Frau Mirjam das "Arezu" in der Florianigasse 19 (Ecke Lange Gasse) in Wien-Josefstadt. Im Restaurant wurden traditionelle persische Küche und vegetarische sowie vegane Speisen angeboten.
Doch dann kam die Pandemie, das Lokal geriet finanziell ins Trudeln. Trotz des Bezugs der österreichischen Liquidätshilfe (Covid19-Unterstützung) in der Gesamthöhe von rund 113.088 Euro und der Aufnahme in das Wiener Hilfsprogramm "Stolz auf Wien" im Jahr 2022 (470.000 Euro für das Café Aumann, die Time Busters und das "Arezu" gemeinsam) ging das Restaurant Anfang 2023 in Konkurs.
Im April 2023 wurde die Schließung angeordnet, seitdem ist es um das Lokal ruhig geworden. Auch der in der Lange Gasse befindliche Schanigarten wurde nicht mehr genutzt. Wer die Josefstadt kennt, weiß, Parkplätze sind hier Mangelware. Anrainer suchen oft 30 Minuten und länger nach einem Stellplatz.
"Heute" fragte daher bei der Josefstädter Bezirksvorstehung nach: "Wenn Schanigärten über einen längeren Zeitraum nicht genutzt werden, werden entsprechende Hinweise seitens der Bezirksvorstehung regelmäßig an das Magistratische Bezirksamt (MBA) weitergeleitet. Das MBA überprüft die Sachlage und leitet diese gegebenenfalls an die zuständige MA 59 (Marktamt) weiter, welche in weiterer Folge erforderliche Abstimmungen mit der MA 48 trifft", wird erklärt.
Neben dem Gastgarten vom "Arezu" wurde auch jener vom Lokal "Santoor" (Florianigasse 20) längere Zeit nicht genutzt. "Die angesprochenen Schanigärten wurden von der Bezirksvorstehung bereits vor rund eineinhalb Jahren sowie erneut vor etwa etwa sechs Wochen zur Überprüfung gemeldet. Ob ein Schanigarten tatsächlich entfernt werden kann, hängt von den jeweiligen behördlichen Genehmigungen und dem gültigen Bescheiden ab", heißt es.
Laut Auskunft des zuständigen MBA besteht der derzeitige Schanigarten des "Arezu" nicht seit über drei Jahren. Demnach wurde im Dezember 2023 die Entfernung des ursprünglichen Gastgartens veranlasst, im Jänner 2024 war keiner mehr vorhanden – das heißt, der Schanigarten wurde etwa neun Monate lang nicht genutzt. Ein neuer wurde erst wieder im heurigen März genehmigt und im April aufgebaut – auch dieser wird allerdings nicht betrieben.
"Bei einer Kontrolle des Marktamtes im Juni war der Betrieb nicht geöffnet. Sollte dies weiterhin so sein, riskiert der Betreiber, dass er die Genehmigung für den Schanigarten wieder verliert. Der Betrieb wurde von uns über die Rechtslage bereits in Kenntnis gesetzt und aufgefordert, sich an die Gesetze zu halten", erklärt die Leiterin des MBA für den 1. und 8. Bezirk, Eva Schantl-Wurz.
Was den Schanigarten des Lokals "Santoor" betrifft, sei dieser im Februar 2025 genehmigt worden. Aufgebaut wurde er offenbar aber erst heuer, denn im Jänner 2026 gab es ihn noch nicht: "Der Gastgarten war bisher wegen einer Beschädigung durch ein Fahrzeug nicht in Betrieb. Die Betreiber sind dabei, ihn zu reparieren. Auch dieser Betreiber wurde aufgefordert, den Schanigarten instandzusetzen und entsprechend dem Gesetz zu betreiben. Bei einer Kontrolle am 2. Juni war er noch nicht in Betrieb", so Schantl-Wurz. Wie "Heute" vom Inhaber des Lokals erfuhr, soll der Schanigarten mittlerweile geöffnet sein.
Auf Unverständnis stößt die lange Nichtnutzung der Schanigärten bei FPÖ-Bezirksparteiobmann Maximilian Krauss: "Angesichts der prekären Parkplatz-Situation in der Josefstadt ist Bezirksvorsteher Fabisch gefordert, hier zu handeln. Gastgärten dürfen nur stehen, wenn sie betriebsbereit sind. Wenn allerdings Lokale geschlossen haben, müssen die Gärten umgehend abgebaut werden!"
Laut Martin Fabisch (Grüne) ist "die Josefstadt ein dicht bebauter Bezirk, in dem viele unterschiedliche Ansprüche auf begrenztem Raum zusammenkommen. Werden Schanigärten dauerhaft nicht genutzt, sind die zuständigen Dienststellen gefordert, die Situation zu prüfen und gegebenenfalls die erforderlichen Schritte zu setzen."
Gleichzeitig würde man im Bezirk mit Maßnahmen daran arbeiten, die Mobilität im Bezirk sinnvoll zu organisieren und die Situation für Anrainer zu verbessern: "Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt jedoch auch, dass der Bedarf an attraktiven, klimafitten Straßen und Plätzen wächst, während die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge im Bezirk kontinuierlich zurückgeht." Im Jahr 2024 wurden 7.002 Pkw in der Josefstadt gezählt, 2023 waren es noch 7.133.