Es war ein Facebook-Post, der unzählige Medienberichte und wilde Spekulationen auslöste: Wie Alnur Mussayev, seines Zeichens ehemaliger Chef des kasachischen Ablegers des gefürchteten Sowjet-Geheimdienstes KGB, behauptet, soll der amtierende US-Präsident Donald Trump vor fast 40 Jahren als Agent für Moskau rekrutiert worden sein.
Dieser Vorwurf wurde nun von Krystyna Kurczab-Redlich erneut aufgegriffen. Die Polin hat 2022 eine Biografie über den russischen Präsidenten Wladimir Putin veröffentlicht und kritisiert scharf, dass Mussayevs Anschuldigungen nicht ernster genommen werden: "Ich verstehe einfach nicht, warum es ignoriert wird, wenn der ehemalige Chef des kasachischen KGB-Büros öffentlich sagt, dass Trump seit 1987 als 'Asset' gelistet wurde", so die 71-Jährige in einer Fernsehsendung.
Doch von Anfang an: Am 20. Februar 2025 setzte Mussayev folgenden Facebook-Post ab: "1987 arbeitete ich in der 6. Direktion des KGB der Sowjetunion in Moskau", schreibt der Kasache, der zehn Jahre später zeitweise das Nationale Sicherheitskomitee seines Landes leitete. Das sogenannte 6. Direktorat des KGB war damals für den Wirtschaftssektor für die Spionageabwehr verantwortlich.
Zu den Hauptaufgaben Mussayevs und seinen Agenten-Kollegen gehörte es demnach, Spione und Informationsquellen in den hohen Wirtschaftskreisen der kapitalistischen Länder zu rekrutieren. Dabei gelang den Sowjet-Agenten im Jahr 1987 laut Mussayev ein Coup: "In diesem Jahr rekrutierte unsere Abteilung einen Geschäftsmann aus New York, nämlich Donald Trump", schreibt der 71-Jährige in seinem Facebook-Post. Der heutige US-Präsident habe vom KGB demnach den Codenamen "Krasnow" erhalten.
Schon 2018 machte der ehemalige KGB-Geheimdienstler Mussayev diese Anschuldigungen erstmals publik, auch laut anderen Autoren und Ex-Agenten hat Donald Trump Verbindungen zum KGB, die viele Jahre zurückreichen würden.
Das Weisse Haus hat die Berichte wenig überraschend als absurd zurückgewiesen – so habe Trump lediglich geschäftlich Verbindungen nach Russland gehabt. Die Behauptungen von Mussayev konnten bislang auch noch nicht mit stichhaltigen Beweisen belegt werden – vor dem Geheimdienst-Hintergrund ist dies aber nicht unbedingt überraschend.
Die Factchecking-Plattform Snopes hat Mussayevs Behauptungen genauer unter die Lupe genommen und argumentiert, dass sich die Schilderungen des Ex-Agenten nicht mit offiziellen Dokumenten decken würden. So habe Mussayev im Jahr 1987 gar nicht beim KGB, sondern beim sowjetischen Innenministerium gearbeitet.
Dies als Beweis zu gewichten, dass der Kasache damals gar nichts mit dem sowjetischen Geheimdienst zu tun hatte, ist aber wohl zu einfach: So waren im kommunistischen System der Sowjetunion unzählige Organisationen von lokalen Vereinen bis hin zu Ministerien mit verdeckt operierenden Agenten des KGB durchsetzt. Generell ist nicht unbedingt zu erwarten, dass eine Tätigkeit bei einem Geheimdienst fein säuberlich in einem Lebenslauf aufgeführt ist.
Als Hinweis darauf, dass der Inhaber jenes Postens, der bislang oft auch als "Anführer der freien Welt" bezeichnet wurde, unter russischem Einfluss steht, sieht Kurczab-Redlich auch Trumps kürzlichen Entscheide hinsichtlich Russland: Trumps Verhalten und Vorgehen würden mit den Wünschen Wladimir Putins übereinstimmen.
So ließ Kreml-Sprecher Dmitri Peskow zuletzt verlauten, dass man mit der US-Position zur Ukraine "komplett übereinstimme". Die USA, bislang mächtigster Verbündeter des seit drei Jahren unter der russischen Invasion leidenden Landes, hat nach Trumps Amtsantritt eine 180-Grad-Wende vollzogen und wirft der Regierung in Kiew mittlerweile vor, den Krieg ausgelöst zu haben.