Donald Trump hatte am Mittwoch beim Weltwirtschaftsforum in Davos noch kräftig ausgeteilt. Auf der Bühne stellte erneut seinen Besitzanspruch auf das "große, wunderschöne Stück Eis" namens Grönland. Die dänische Arktis-Insel ihm zu überlassen, sei doch das Mindeste, was die NATO für ihn tun könne.
Noch am Wochenende hatte er mit Strafzöllen gegen acht NATO- und EU-Länder, darunter auch Deutschland, und auch mit dem Einsatz militärischer Gewalt gedroht, sollte die Regierung in Kopenhagen bei ihrem Nein bleiben.
In Davos ruderte der heuer 80 Jahre alt werdende US-Präsident dann kräftig zurück: "Ich muss keine Gewalt anwenden, ich will keine Gewalt anwenden, ich werde keine Gewalt anwenden", sagte er und bezeichnete das als das wichtigste Statement seiner Rede. Stunden später erteilte er auch den angekündigten Strafzöllen eine Absage.
Angeblich, weil er mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte eine Vereinbarung über ein "zukünftiges Abkommen" zu Grönland und der gesamten Arktis getroffen habe.
Wirtschaftsexperten vermuten allerdings einen anderen Hintergrund für den Rückzieher und die plötzlich entspanntere Rhetorik. "Ich glaube, Trump hat vor zwei Dingen Angst: Inflation und Turbulenzen auf dem Finanzmarkt", schreibt WIFO-Chef Gabriel Felbermayr am Donnerstag auf X.
Ein möglicherweise eskalierender Zollstreit mit der EU würde aber genau das bewirken. Trumps liebsten Import-Aufschlag zahlen die US-Bürger fast zu 100 Prozent selbst, was zwangsweise langfristig zu Inflation im eigenen Land führen müsse, so Felbermayr mit Blick auf Erkenntnisse des Kiel Instituts.
Und: Die Möglichkeit eines drohenden (Handels)kriegs hatte an den Börsen für massive Verunsicherung gesorgt und die Kurse auf Talfahrt geschickt und gleichzeitig den effektiven Zinssatz der US-Staatsanleihen in die Höhe schnellen lassen, weil viele Investoren diese loswerden wollten. Letzteres sorgt dafür, dass es für die Vereinigten Staaten bedeutend teurer wird, neue Kredite aufzunehmen.
Das hat auch Auswirkungen auf verschiedene Branchen. So sind etwa die Kosten für Häuslebauer-Kredite in den Vereinigten Staaten gestiegen, berichtet der "Standard" mit Verweis auf eine US-Quelle. Trump hatte in seiner ausschweifenden Rede noch versprochen, deren teils exorbitanten Zinssätze deutlich zu senken und sogar zu deckeln.
Der US-Regierung könnte dieser Zinssprung deutliche Sorgen bereitet haben, mutmaßt Felbermayr: "10 Basispunkte machen bei einer Bruttoauslandsverschuldung der USA von 70.000 Milliarden gleich mal 70 Milliarden extra Zinslast aus."