Scheinbar nichts aus seinen Fehlern gelernt hat US-Präsident Trump. Nachdem er bereits in der Vorwoche dem Iran mit der Zerstörung aller Kraftwerke gedroht hat (und durch die Märkte zur Rücknahme der Drohung gezwungen wurde), wiederholt er diese Forderung nun erneut – und schärfer als je zuvor:
„Falls die Straße von Hormus nicht umgehend wieder für den Verkehr freigegeben wird, werden wir unseren angenehmen 'Aufenthalt' im Iran beenden, indem wir alle Kraftwerke, Ölquellen und die Insel Charg (und möglicherweise alle Entsalzungsanlagen!), die wir bisher bewusst nicht angegriffen haben, sprengen und vollständig zerstören.“
Zwar werde das seiner Ansicht nach nicht nötig sein, da es bei den "ernsthaften Gesprächen" mit dem "neuen und vernünftigeren Regime große Fortschritte" gebe, behauptet der US-Präsident in seinem Posting auf Truth Social am Montag. Die Märkte reagieren dennoch mit Sorge. Der Ölpreis erreichte kurz nach Trumps Posting mit 116,5 Dollar pro Fass der Sorte Brent einen neuen Höchststand im Vergleich zu den letzten vier Jahren, ging dann aber wieder leicht zurück.
Dabei hatte Trump bereits in der Vorwoche einen Rückzieher von seinem 48-Stunden-Ultimatum an den Iran machen müssen, nachdem dieser im Gegenzug mit Angriffen auf alle Kraftwerke der Golfstaaten drohte, inklusive dem Atomkraftwerk Barakah in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der Ölpreis war daraufhin massiv angestiegen, die Börsen reagierten mit Kursverlusten.
Nun wiederholt Trump diese Drohung – und legt mit den Entsalzungsanlagen noch einen drauf. Dabei wäre die iranische Bevölkerung, der Trump und Israel mit ihren Angriffen auf das Mullah-Regime angeblich zur Freiheit verhelfen wollen, der größte Leidtragende einer solchen Zerstörungswut.
Angriffe auf Strom- und Wasserversorgung gelten laut internationalem Recht als Kriegsverbrechen (Zusatzprotokoll 1 von 1977, Artikel 2). Ohne Strom und Wasser wären Millionen Iraner zur Flucht gezwungen. Trump scheint das nicht zu kümmern. Die USA haben das Zusatzprotokoll der Genfer Konvention von 1977 ohnehin nie unterzeichnet.
Weiters schrieb Trump in seinem Posting am Montag, er wolle "Vergeltung für unsere vielen Soldaten und andere sein, die der Iran während der 47-jährigen Schreckensherrschaft des alten Regimes massakriert und getötet hat."
Es stellt sich daher einmal mehr die Frage, was Trump im Iran eigentlich erreichen will: Freie Fahrt für Schiffe durch die Straße von Hormus? Einen Regime-Wechsel? Einen Regime-Sturz? Oder etwa die Zerstörung der gesamten Infrastruktur, um das Land zurück in die Steinzeit zu werfen?