"Ach, Herr Botschafter"

Ukraine-Botschafter fetzt sich mit Russland-Experten

Ein X-Posting des renommierten Russland-Experten Gerhard Mangott sorgt für viel Wirbel. Der ukrainische Botschafter in Österreich ist empört.
Newsdesk Heute
29.10.2025, 14:33
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Was als politische Analyse begann, endete in einem diplomatischen Schlagabtausch: Mit einem Posting auf X hat der renommierte Russland-Experte Gerhard Mangott eine heftige Reaktion des ukrainischen Botschafters Vasyl Khymynets ausgelöst. Zwischen den beiden entwickelte sich ein Wortgefecht, das mittlerweile für ordentlich Wirbel sorgt.

Ukrainischer Angriff auf Stausee

Anlass für das Posting war ein ukrainischer Angriff auf einen Staudamm in der russischen Region Belgorod. Dabei wurden große Mengen Wasser freigesetzt, die in benachbarte Areale flossen. Mehrere Fahrzeuge, Munitionsdepots und Befestigungsanlagen sind mittlerweile unter Wasser.

Beim ukrainischen Angriff auf einen Staudamm in der Region Belgorod wurden große Mengen Wasser freigesetzt.
via REUTERS

Mangott analysierte: "Das Zusatzprotokoll I von 1977 zu den Genfer Abkommen, enthält ein ausdrückliches Verbot militärischer Angriffe auf Staudämme." Er fügte hinzu, dass auch der russische Angriff auf den Kachovka-Staudamm im Jahr 2023 ein "schwerer Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht" gewesen sei. Die Explosion führte damals zu massiven Überschwemmungen im Süden der Ukraine, zerstörte ganze Ortschaften und löste eine ökologische Katastrophe aus.

Persönlicher Schlagabtausch mit Botschafter

Beim ukrainischen Botschafter in Österreich, Vasyl Khymynets, sorgte der Tweet für Empörung: "Der Russland-Experte und Waldai-Schüler stellt den Aggressor und das Opfer in die gleiche Reihe. Als ob er nicht wüsste, dass Russland den Vernichtungskrieg gegen die Ukraine führt, mit dem Ziel, die Ukraine auszulöschen. So viel über die Qualität der Expertise."

Darauf antwortete Mangott mit scharfen Worten: "Ach Herr Botschafter, konzentrieren Sie sich auf Ihre Aufgaben als Diplomat. Diese Rolle scheinen Sie nicht ganz zu verstehen. Aber wenn man bedenkt, aus welchem Milieu Sie wirklich kommen, wundert das nicht."

Khymynets konterte prompt: "Sicherlich komme ich nicht aus dem Milieu, wo man gelernt hat, die Kriegstreiber und Mörder zu verehren. Stehe für Werte und Prinzipien. Sie zeigen aber, wie man zu jemanden steht, der einen völkerrechtswidrigen Krieg mit der Annexion der Krim bereits begonnen hat und die MH-17 abschießen ließ." Der Botschafter fügte zudem einen Tweet aus dem Jahr 2015 an, in dem Mangott Putin als "Mann mit außerordentlichem Charisma" bezeichnet hatte.

Polit-Analyst: "Völkerrechtlich fragwürdig"

Osteuropa-Forscher Alexander Dubowy reagierte ebenfalls auf den Austausch. So sei Mangotts Gleichsetzung eines ukrainischen Angriffs mit der großflächigen Zerstörung des Kachovka-Staudamms "sachlich, völkerrechtlich und analytisch fragwürdig".

Dubowy verwies auf das humanitäre Völkerrecht, das Angriffe auf Staudämme zwar grundsätzlich untersagt, sie jedoch dann zulässt, wenn diese "zur regelmäßigen, bedeutenden Unterstützung von Kriegshandlungen" genutzt werden und ein Angriff die einzige Möglichkeit sei, diese Unterstützung zu beenden. Im konkreten Fall habe der ukrainische Angriff laut OSINT-Quellen gezielt militärische Stellungen getroffen, ohne zivile Opfer oder größere ökologische Schäden zu verursachen – anders als die russische Sprengung des Kachovka-Staudamms, die zu einer humanitären Katastrophe führte.

Zudem kritisierte Dubowy Mangotts Umgangston gegenüber dem ukrainischen Botschafter als unprofessionell. Die abwertende Anspielung auf dessen "Milieu" überschreite die Grenzen wissenschaftlicher Integrität. Insgesamt warf er Mangott vor, völkerrechtliche Normen zu verkürzen und Täter-Opfer-Verhältnisse zu verwischen – um sich bei Widerspruch in eine bequeme Pose vermeintlicher Neutralität zu flüchten.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 29.10.2025, 15:06, 29.10.2025, 14:33
Jetzt E-Paper lesen