Die Ukraine schlägt weiter tief im russischen Hinterland zu. In der Nacht auf Samstag und am Morgen trafen Angriffe wichtige Industrie- und Energieziele.
Laut ukrainischem Generalstab wurde ein Marschflugkörper vom Typ FP-5 "Flamingo" auf eine Sprengstofffabrik in Tschapajewsk abgefeuert – rund 890 Kilometer von der Grenze entfernt. In der Anlage werden jährlich zehntausende Tonnen militärischer Sprengstoffe für Bomben und Raketen produziert.
Der Angriff soll auch mehrere Folgeexplosionen ausgelöst haben. Videos zeigen dichte Rauchwolken über dem Gelände. Ein am 28. März veröffentlichtes Bild soll den "Flamingo" im Flug zeigen.
Auch eine wichtige Ölraffinerie in Jaroslawl wurde getroffen. Dort brach nach einem Drohnenangriff ein Feuer aus. Die Anlage verarbeitet Millionen Tonnen Treibstoff pro Jahr – darunter auch Kerosin für das Militär. Aufnahmen zeigen Brände bei Tanks und Produktionsanlagen.
Russische Behörden sprechen von abgewehrten Angriffen und melden den Abschuss dutzender Drohnen. Schäden an Wohngebieten habe es nicht gegeben.
Die Serie solcher Angriffe zeigt Wirkung: Moskau reagiert nun wirtschaftlich. Ab 1. April will Russland alle Benzinexporte stoppen. Ziel ist es, die Preise im Inland zu stabilisieren, die zuletzt deutlich gestiegen sind. Die Maßnahme soll vorerst bis Ende Juli (!) gelten.
Hintergrund: Die wiederholten Treffer auf Öl- und Industrieanlagen setzen die russische Versorgung unter Druck. Gleichzeitig steigen Inflation und Lebenshaltungskosten – für viele Russen wird der Krieg damit auch im Alltag spürbarer.
"Russlands Entscheidung, die Benzinexporte vorübergehend auszusetzen – deren Erlöse die russische Kriegsmaschinerie finanzieren –, ist wahrscheinlich das Ergebnis des zunehmenden Drucks auf den Kreml, einen Mittelweg zwischen der Finanzierung seiner Kriegsanstrengungen und der Abfederung der Kriegskosten für die eigene Bevölkerung zu finden", heißt es dazu in einer Analyse des Instituts für Kriegsstudien (ISW).