Mitten in der Nacht beginnt für Markus S. der Tag. Um 3.30 Uhr steht der 49-Jährige auf, um seine schwer kranke Mutter zu versorgen. Die 84-Jährige leidet an Demenz im Endstadium, hat Pflegestufe 7 und kann weder sprechen noch selbstständig ihren Alltag meistern. Ihr Sohn pflegt sie zu Hause in Edt bei Lambach (Bez. Wels-Land, OÖ), neben seinem Vollzeit-Job im Krankenhaus.
Vor 5 Uhr endet seine erste Pflege-Routine des Tages. Bis dahin hat er seine Mutter aus dem Bett geholt, sie gewaschen, angezogen, in den Rollstuhl gesetzt und ihr ein Frühstück zubereitet. Dann fährt er in seine Arbeit.
Eine Betreuerin übernimmt während seiner Abwesenheit die Pflege. Um 14 Uhr kommt er nach Hause, löst sie ab und beginnt zu kochen. Eine Mahlzeit dauert mit seiner Mutter oft eineinhalb bis zwei Stunden.
Um 20 Uhr bringt er seine Mutter ins Bett. Doch durchschlafen kann der 49-Jährige nicht. Gegen Mitternacht muss er wieder aufstehen, um sie umzulagern. Manchmal ist das auch ein zweites Mal notwendig.
Neben der enormen Belastung drücken die Kosten. Die bezahlte Betreuung verschlingt das gesamte Pflegegeld. Die Pension seiner Mutter geht für ihren Alltag drauf. Windeln, notwendige Anschaffungen und andere Ausgaben muss Markus immer wieder selbst mitfinanzieren.
Auch den Umbau von Bad, Toilette und Küche hat er bezahlt. An manchen Tagen laufen bis zu fünf Waschmaschinen. "Es geht sich immer sehr, sehr knapp aus", erzählt er.
Jetzt geht es um die nächste Anschaffung. Seine Mutter braucht eine Sensormatte. Solche Matten können Alarm schlagen, wenn pflegebedürftige Menschen das Bett verlassen. Damit lassen sich gefährliche Situationen und mögliche Stürze schneller erkennen.
Der Hausarzt hat dieses Hilfsmittel sogar verordnet (es kostet mehr als 1.500 Euro). Markus S. stellte einen Antrag bei der Krankenkassa. Nach zwei Monaten kam die Ablehnung. Für den Sohn völlig unverständlich: Wenn ein Arzt ein Hilfsmittel für notwendig hält, sollte es seiner Meinung nach nicht erst ein langwieriges Verfahren brauchen.
Er ist überzeugt, dass seine Mutter die Sensormatte in einem Pflegeheim sofort bezahlt bekommen würde.
Markus weiß oft nicht mehr weiter. Er fordert jetzt mehr Unterstützung von der Politik. Pflegende Angehörige müssten besser geschützt werden, vor allem auch im Berufsleben. Zudem sollte das Pflegegeld seiner Ansicht nach alle sechs Monate an die steigenden Kosten angepasst werden.
Seine Forderungen hat er auch in einem offenen Brief an den oberösterreichischen Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner (FPÖ) gerichtet.
Trotz aller Schwierigkeiten steht für Markus fest: "Ich werde meine Mama nie ins Heim geben."