Hochhäuser gelten eigentlich als Erfindung der Neuzeit. Erst moderne Baustoffe wie Beton und Stahl sollen den Bau von Wolkenkratzern ermöglicht haben. Doch eine neue Studie stellt diese Annahme nun auf den Kopf.
Zwei Wissenschaftler haben den monumentalen Palast Grat Beal Gibri in Yeha im Norden Äthiopiens untersucht. Das um 800 vor Christus errichtete Bauwerk hatte eine Grundfläche von 60 mal 60 Metern – und könnte eines der ersten Hochhäuser der Welt gewesen sein.
Wie der "Spiegel" berichtet, stammt die Analyse von Martin Drieschner von der Technischen Universität Cottbus-Senftenberg und Mike Schnelle vom Deutschen Archäologischen Institut. Ihre Untersuchung liefert erstaunliche Hinweise darauf, dass der antike Palast mehrere Stockwerke hatte.
Überreste einer Stiege, dicke Innenwände und rund zehn Meter hohe Säulen im Eingangsbereich deuten darauf hin, dass das Gebäude mindestens drei Stockwerke hatte. Noch spannender ist aber die Bauweise der Wände.
Dafür wurden Holzbalken verwendet, die abwechselnd längs und quer lagen und so ein stabiles Gerüst im Mauerwerk bildeten. Diese Technik wird bis heute angewendet und verleiht Gebäuden besonders hohe Stabilität.
Um die Tragfähigkeit zu überprüfen, rekonstruierten die Forscher Teile des Palasts virtuell und testeten sie mit statischen Modellen. Das Ergebnis: Die Konstruktion hätte theoretisch 19 Stockwerke tragen können.
Ob die damaligen Baumeister dieses Potenzial tatsächlich ausschöpften, ist unbekannt. Der Palast brannte in der Antike ab und wurde größtenteils zerstört. Erhalten blieben nur das Erdgeschoss und das Fundament.
Die Forscher betonen: Selbst wenn nicht alle 19 Stockwerke gebaut wurden, zeigt die Studie, dass Menschen in Nordostafrika schon vor fast 3000 Jahren beeindruckende Architektur schaffen konnten.