20 Jahre lang führte Horner den Red-Bull-Rennstall in der Formel 1, war seit dem Einstieg des Energydrink-Konzerns in die Motorsport-"Königsklasse" der Mann an der Spitze des Rennstalls. Bis Horner Anfang Juli abgesetzt wurde. Laurent Mekies, bisheriger Teamchef der Racing Bulls, übernimmt. Red Bull holte unter Horner acht Fahrer- und sechs Konstrukteurs-WM-Titel.
Über die Gründe kann derweil nur spekuliert werden. Klar ist: 2023 gewann das Red-Bull-Team noch 21 von 22 Saisonrennen, aktuell fahren die Bullen auch mit Vierfach-Weltmeister Max Verstappen bloß hinterher. Die sportliche Talfahrt der letzten Monate dürfte auch Horner zum Verhängnis geworden sein. Hinzu kommt die angespannte Beziehung zum Verstappen-Lager – vor allem zu Vater Jos und zu Berater Raymond Vermeulen – sowie die 2024 aufgekommenen Belästigungsvorwürfe einer engen Mitarbeiterin.
Und Horners umstrittener Führungsstil, wie auch der ehemalige Fahrer und nunmehrige Experte Martin Brundle, ein guter Freund des Briten, bei "Sky Sports" erklärte. Mit Star-Designer Adrian Newey, Chefdesigner Rob Marshall, Sportdirektor Jonathan Wheatley und Chefstratege Will Cortenay haben seit der dominanten Saison 2023 Schlüsselkräfte das Team verlassen – auch wegen Horners Führungsstil, wie hinter vorgehaltener Hand im Fahrerlager spekuliert wurde.
Der Teamchef hatte die Abgänge heruntergespielt, mehrmals betont, dass der Rennstall auch ohne Newey und Co. auf höchstem Niveau weitermachen könne. Ein Fehler, wie nun Brundle meinte.
"Sie haben Schlüsselfiguren verloren. Und sein Fehler war es, dass er versucht hat, sich selbst und andere davon zu überzeugen, dass die ohnehin nicht mehr so viel getan haben und dass die Abgänge keine Bedeutung hätten", erklärte Brundle. Horner hatte dies vor allem gegenüber dem thailändischen Red-Bull-Mehrheitseigentümer Chalerm Yoovidhya erklärt – gerade mit Blick auf Newey, dem nachgesagt wurde, nur noch selten ins Tagesgeschäft eingebunden gewesen zu sein.
"Er hat geglaubt, ein besseres Team hinter sich zu haben, aber das hat nicht gestimmt. Es war keine Katastrophe und es war nicht so, dass sie keine Leistung gebracht haben. Aber es ist einfach zu viel gegen ihn gelaufen", meinte Horner-Freund Brundle dann mit Blick auf den 51-jährigen Briten.
Horner habe "viel Unterstützung von Yoovidhya gehabt, aber irgendwann ließ diese Unterstützung nach und das Unvermeidliche ist passiert", so Brundle.