Initiative befürchtet Chaos

Viele Baustellen: "Schlechte Zeiten für Öffi-Pendler"

Die Pendlerinitiative Österreich warnt vor einem Öffi-Chaos im Sommer. Vor allem in der Ostregion sind Zehntausende Pendler betroffen.
Erich Wessely
03.07.2026, 05:00
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Mit Sorgen blickt die Pendlerinitiative Österreich auf den Baustellensommer: Die Sperre der Stammstrecke von Floridsdorf zum Praterstern in Wien ab 4. Juli werde Pendlern "das Leben wesentlich schwerer machen."

Seitens der Initiative wird Kritik an den ÖBB geübt: "Scheinbar bereiten die ÖBB die Fahrgäste auf die Verschlechterung der Bedingungen vor, denn seit Wochen gibt es permanent Zugausfälle und Verspätungen, weiters gibt es bei dieser Hitze Probleme mit der Klimatisierung. Sowie die absurde Warnung der ÖBB, man soll während der Hitzeperiode die Züge nicht nutzen, denn es könnten sich die Gleise verbiegen. Leider haben die ÖBB noch immer nicht erkannt, dass sie ein Dienstleitungsunternehmen sind und viele Pendlerinnen und Pendler auf die ÖBB angewiesen sind, da sie keine Alternative haben."

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Besonders hart trifft es Pendler aus dem westlichen Weinviertel ab dem 10. August: Die Nordwestbahn wird ab Jedlersdorf, die Laaer Ostbahn ab Gerasdorf und die Nordbahn ab Süssenbrunn jeweils bis zum Praterstern gesperrt – Pendler müssen in Busse umsteigen.

"Ersatzbusse werden nicht ausreichen"

"Jedenfalls muss noch die gänzliche Sperre der Strecke vor Floridsdorf eingehend geprüft werden. Ich nehme an, dass die geplanten Ersatzbusse nicht ausreichen werden", warnt Josef Hager, NÖ-Pendlersprecher und ÖAAB-Fraktionsvorsitzender in der Arbeiterkammer NÖ. Der Bahnhof in Korneuburg sei ungünstig mit Bussen zu erreichen, dafür ist "fast die ganze Stadt zu durchqueren".

Ab dem 7. September trifft es auch Pendler, die aus dem Süden ihren Arbeitsplatz in Wien erreichen wollen: Die Stammstrecke wird vom Hauptbahnhof bis zum Praterstern gesperrt. Dazu sind im Sommer Teile der U4, U6 und der Badner Bahn gesperrt.

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Die Pendlerinitiative ortet akuten Handlungsbedarf, fordert auch Zukunftskonzepte, wie den Ausbau eines Schnellbahnrings um Wien.

"Wo ist der Ausbau des Schnellbahnrings?"

"Wo ist der Ausbau eines Schnellbahnringes um Wien, wo sind Park&Ride-Anlagen an den Stadtgrenzen, warum werden die wiener Öffis nicht über die Stadtgrenzen hinaus gebaut?" – alle diese Fragen stellt der stellvertretende Vorsitzende der Pendlerinitiative Österreich, Leopold Wagner.

"Hätte man vor einigen Jahrzehnten weitsichtiger geplant, hätten wir ein Vielzahl dieser Probleme nicht", ergänzt Wagner. Von der Wiener Verkehrsstadträtin und vom niederösterreichischen Verkehrslandesrat werde jedenfalls erwartet, "dass gemeinsam zukunftsfähige Konzepte für alle Pendlerinnen und Pendler für ihren täglichen Arbeitsweg erstellt werden", heißt es weiter.

Laut einer AK-Pendlerstudie arbeiten von 1,3 Millionen Arbeiterkammermitgliedern in Ostösterreich über 80 Prozent nicht in der Wohngemeinde oder in einem Wiener Wohnbezirk. 30 Prozent der Pendlerwege der AK-Mitglieder werden mit Öffis zurückgelegt, somit verwenden mindestens 300.000 Pendler öffentliche Verkehrsmittel, um täglich ihren Arbeitsplatz zu erreichen.

ÖBB: "Maßnahmen sind unverzichtbar"

"Wir haben großes Verständnis dafür, dass die Bauarbeiten und die damit verbundenen Sperren für viele Pendler:innen eine Belastung darstellen. Gleichzeitig sind diese Maßnahmen unverzichtbar, um die Wiener Stammstrecke und die angeschlossenen Strecken in Niederösterreich umfassend zu modernisieren und für die zukünftigen Anforderungen des öffentlichen Verkehrs fit zu machen", heißt es auf "Heute"-Anfrage seitens der ÖBB.

Im Zuge der Modernisierung erneuern die ÖBB unter anderem die bestehende Infrastruktur, Bau- und Tragwerke, errichten neue Abstell- und Wendeanlagen und statten die Strecke mit dem modernen digitalen Zugsicherungssystem ETCS Level 2 aus. Durch diese Maßnahmen können auf der Stammstrecke künftig nicht nur moderne und längere Züge fahren, es werden auch die Voraussetzungen für dichtere Takte in der Zukunft geschaffen.

"Sperrphasen wurden sorgfältig geplant"

"Die Sperrphasen wurden über einen langen Zeitraum hinweg sorgfältig geplant und stellen bereits das technisch und organisatorisch notwendige Minimum dar. Gemeinsam mit unseren Partner:innen – darunter der Verkehrsverbund Ost-Region (VOR), die Wiener Linien, die Stadt Wien, das Land Niederösterreich sowie weitere Verkehrsunternehmen – wurden umfassende Ersatz- und Umleitungskonzepte entwickelt, um die Mobilität der Fahrgäste auch während der Bauarbeiten bestmöglich sicherzustellen", so eine ÖBB-Sprecherin in einer schriftlichen Stellungnahme.

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Für Pendler auf der Nordwestbahn stehen beispielsweise zwischen 10. August und 6. September ab Korneuburg zwei Expressbuslinien zur Verfügung, die ohne Zwischenhalte direkt zum Praterstern beziehungsweise Handelskai führen und dort einen raschen Anschluss an das hochrangige Wiener Öffi-Netz ermöglichen. Ergänzt wird das Angebot durch einen Schienenersatzverkehr zwischen Jedlersdorf und Floridsdorf.

Klar sei aber: "Wie auch in den vergangenen Sommersperren werden wir die Ersatzmaßnahmen kontinuierlich evaluieren und bei Bedarf nachschärfen."

Die Sperre nördlich von Wien dauert knapp vier Wochen und "wurde bewusst in die Sommerferien gelegt, weil hier erfahrungsgemäß weniger Fahrgäste unterwegs sind. Mit Schulbeginn am 7. September ist die Modernisierung des Nordabschnitts abgeschlossen und der Bahnhof Praterstern wieder uneingeschränkt vom Norden Wiens erreichbar. Gleichzeitig sind auf der Stammstrecke bis Praterstern nach Abschluss der Bauarbeiten ausschließlich moderne Züge – wie der neue Cityjet Doppelstock - unterwegs, wodurch unsere Fahrgäste von mehr Sitzplätzen, mehr Komfort und einem stabilen und zukunftsfitten S-Bahn-Betrieb profitieren".

Abschließend hält die Sprecherin fest: "Uns ist bewusst, dass die Modernisierungsarbeiten und die damit verbundenen Sperren für viele unserer Fahrgäste eine große Herausforderung darstellen, sie schaffen jedoch die Grundlage für einen leistungsfähigeren und zuverlässigeren Bahnverkehr in der Zukunft."

{title && {title} } wes, {title && {title} } 03.07.2026, 05:00
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