Chaos im ORF

Vom "Das schaff ma" zum Rücktritt: Weißmanns ESC-Reise

Roland Weißmann war an vorderster ESC-Front dabei: Vom Startschuss, bis zur Israel-Kritik. Nun das abrupte Ende.
Heute Entertainment
09.03.2026, 14:26
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Als Roland Weißmann im Frühjahr am Flughafen stand, um den österreichischen ESC-Sieger JJ nach dessen Triumph in Basel zu empfangen, war die Botschaft klar: "Wir schaffen das." Der Eurovision Song Contest 2026 sollte zurück nach Wien kommen und der Österreichischer Rundfunk wollte zeigen, dass er erneut Gastgeber für Europa sein kann.

Heute, nicht einmal ein Jahr später, ist alles anders. Weißmann ist nach schweren Vorwürfen zurückgetreten. Doch bis zu diesem großen Knall war der ORF-Chef einer der zentralen Architekten des ESC-Jahres 2026.

Der Startschuss nach dem Sieg

Unmittelbar nach dem Sieg von JJ in Basel stellte Weißmann klar, wohin die Reise gehen würde. Der ORF werde den Song Contest wieder nach Österreich holen und sofort mit den Vorbereitungen beginnen.

"Wir gratulieren JJ zu seiner fantastischen Performance und sind stolz, ihn auf seinem Erfolgsweg begleitet zu haben", erklärte er damals. Und fügte hinzu: Nach dem 60-Jahre-Jubiläum vor zehn Jahren werde der Wettbewerb nun auch im 70. Jahr wieder in Österreich stattfinden.

ESC hat Priorität – sogar vor TV-Shows

Schon bald wurde klar, wie groß die Dimension dieses Projekts ist. Um Ressourcen zu bündeln, traf der ORF eine ungewöhnliche Entscheidung: Die beliebte Show Dancing Stars pausiert 2026 – trotz guter Quoten.

Der Grund: Der "Eurovision Song Contest" hat Vorrang. Produktion, Technik und Personal sollten vollständig auf das Mega-Event konzentriert werden.

Dabei war die finanzielle Lage im ORF alles andere als entspannt. Weißmann sprach offen über massive Sparpläne. Zwischen 2027 und 2029 müsse der Sender über 130 Millionen Euro einsparen.

Trotzdem sollte 2026 ein großes Fernsehjahr werden, mit FIFA WM, den Olympischen Winterspielen und eben dem Eurovision Song Contest in Wien.

Für Weißmann war klar: Der ESC ist nicht nur Kostenfaktor, sondern auch Chance. Österreich werde wieder "zur Bühne für die Welt".

Frühe Planung für den ESC

Im Herbst präsentierte der ORF-Chef erstmals konkrete Pläne. Der Sender sei dem Zeitplan sogar sechs bis acht Wochen voraus, erklärte Weißmann bei einer Pressekonferenz.

Er rechnete mit rund 90.000 Besuchern in der Wiener Stadthalle und kündigte ein mehrstufiges Ticket-System an, um Betrug und Ticket-Bots zu verhindern.

Politische Debatten rund um den Wettbewerb

Parallel dazu musste sich Weißmann auch mit den großen ESC-Debatten beschäftigen – vor allem rund um die Teilnahme Israels. Seine Haltung blieb klar: Beim Wettbewerb treten öffentlich-rechtliche Sender an, keine Staaten.

Deshalb setzte er sich ausdrücklich dafür ein, dass der israelische Sender "KAN" teilnehmen kann. Der ESC solle ein Ort des Dialogs bleiben.

Sicherheit und klare Regeln

Im Dezember präsentierte der ORF schließlich die ESC-Bühne in Wien und sprach über Sicherheitskonzepte. Polizei, Innenministerium und Stadt Wien seien von Beginn an eingebunden gewesen.

Auch bei heiklen Themen wie Buhrufen oder Fahnen zeigte man sich transparent: Nichts werde beschönigt. Jubel und Kritik im Saal sollten authentisch übertragen werden.

Sein letzter ESC-Auftritt

Sein bislang letzter öffentlicher ESC-Moment war ein sehr persönlicher. Nach der Hasswelle gegen den österreichischen Teilnehmer Cosmó meldete sich Weißmann auf Instagram zu Wort.

Er kritisierte die Online-Angriffe scharf und bat um Unterstützung für den jungen Musiker: Ein 19-Jähriger erlebe gerade die aufregendsten Tage seines Lebens und müsse dennoch massive Beschimpfungen ertragen.

Der Bruch kurz vor dem Event

Nur wenige Wochen später folgte der Rücktritt. Für den ORF beginnt damit eine neue Phase – mitten in den finalen Vorbereitungen für den Eurovision Song Contest.

Viele der Weichen für den Eurovision Song Contest 2026 wurden in den vergangenen Monaten noch von Roland Weißmann gestellt. Jetzt muss das Team im ORF zeigen, dass das Projekt auch ohne ihn zu Ende geführt werden kann.

{title && {title} } red, {title && {title} } 09.03.2026, 14:26
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