Was sparen bedeutet, weiß Beate H. (61) schon lange. Die Wienerin aus Mariahilf lebt von der Mindestpension (für Alleinstehende 1.308,39 Euro): "Ich kaufe Lebensmittel fast nur in Sozialmärkten ein. Im normalen Supermarkt wäre das bei den Preisen schwierig", berichtet die Alleinstehende.
Im Sozialmarkt schlägt die ehemalige Selbstständige auch bei Naschereien zu: "Ich kaufe auch viel Ungesundes, Süßes ist eben mein Laster. Manche schämen sich, weil sie im Sozialmarkt einkaufen, aber das ist totaler Blödsinn", betont sie.
„Mir ist immer schon Zeit wichtiger gewesen als Geld. Also habe ich so gelebt, als wäre ich bereits in Pension“Beate H.verzichtete auf Unterstützung vom Staat
Grundsätzlich schaut die 61-Jährige bei "allem auf den Preis", kauft Kleidung oder Dekoartikel nur Secondhand. "Ich gehe nie essen, auf Urlaub war ich schon lange nicht. Hin und wieder treffe ich mich mit einer Freundin noch auf einen Kaffee. Aber selbst da achte ich darauf, wie viel der Espresso kostet. Im ersten Bezirk würde ich zum Beispiel nie etwas trinken gehen", meint Beate H.
Vor über acht Jahren starben ihr Bruder und Vater – für die Wienerin ein Einschnitt: "Ich habe dann beschlossen, dass ich nicht bis zur Pension warten will. Mir ist immer schon Zeit wichtiger gewesen als Geld. Also habe ich so gelebt, als wäre ich bereits in Pension. Ich habe meine Ersparnisse aufgebraucht, meine Mutter hat mich auch unterstützt. Weil ich nicht schmarotzen wollte, habe ich weder Geld vom AMS noch vom Sozialamt bezogen."
Seit 26 Jahren bewohnt die Wienerin eine Genossenschaftswohnung: "Ich zahle rund 640 Euro Miete, fast die Hälfte davon deckt die Mietzinsbeihilfe. Ich sage jeden Tag Danke für die Dinge, die ich habe. Ich schaue mir auch immer wieder die Wohnungsinserate an. Es ist irrsinnig, was da an Miete verlangt wird."
Auch bei der Energie lebt die Mindestpensionistin auf Sparflamme: "Ich heize nur einen Raum in der Wohnung – das Wohnzimmer. Ich bin immer warm angezogen und habe auch mehrere Decken im Schlafzimmer. Wenn ich im Winter draußen unterwegs bin, wärme ich mich einfach in einem Geschäft auf", erzählt die 61-Jährige.
Rund hundert Euro gibt die Pensionistin nach eigenen Angaben im Monat für Energie und Heizung aus: "Im vergangenen Winter habe ich mehr geheizt, im Dezember 2025 habe ich dann eine Nachzahlung bekommen. Auch heuer werde ich sicher wieder eine haben", ist sie sich sicher.
Mindestpensionisten zählen zu den armutsgefährdeten Gruppen. Der Verein MUT übergab daher vor Kurzem an zehn Mindestpensionistinnen jeweils 150 Euro Energiekosten-Zuschuss – auch Beate H. war darunter: "Der Energiekostenzuschuss kommt wirklich zum richtigen Zeitpunkt. Ich danke dem Verein von Herzen für alles, was ich an Unterstützung bekomme", freut sich die 61-Jährige.
Seit November 2024 ist die Wienerin offiziell in Pension: "Ich habe nach der Handelsschule mit Bürojobs begonnen – das war aber nicht mein Ding. Ich bin gerne in Bewegung und habe lieber Kundenkontakt. Später war ich dann elf Jahre lang Mit-Besitzerin einer Videothek, im Jahr 2000 mussten wir aber schließen. Danach habe ich mich mit Jobs im Handel und Verkauf über Wasser gehalten", erzählt die 61-Jährige.
Da sie jeden Cent zweimal umdreht, verzichtet Beate H. auch auf kostspielige Hobbys: "Ich lese sehr viel und habe daher eine Jahreskarte der Büchereien. Wenn's wärmer wird, gehe ich viel spazieren und sitze zum Beispiel mit ein paar Keksen im Park." Die Wienerin weiß auch die Kleinigkeiten des Lebens zu schätzen: "Ich habe heuer schon zweimal zwei Euro gefunden. Das freut mich riesig!"