Gewalt in Urlaubsort

"Weg mit dem Abschaum" – Banden-Krieg in Jesolo

Schlägereien, Übergriffe und Bedrohungen: Im beliebten Badeort Jesolo greift die Polizei jetzt mit verschärften Maßnahmen gegen Jugend-Gruppen durch.
André Wilding
17.06.2026, 15:05
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Eigentlich zieht Jesolo jedes Jahr Tausende Urlauber an die Adriaküste. Doch derzeit sorgen dort gewalttätige Jugend-Gruppen für Schlagzeilen. Nach mehreren Vorfällen in den vergangenen Wochen reagieren Behörden und Politik nun mit einem umfangreichen Sicherheitskonzept.

Die Jugendlichen verabreden sich laut italienischen Medien häufig über soziale Netzwerke zu Treffen. Immer wieder kommt es dabei zu Auseinandersetzungen, Bedrohungen und Angriffen auf andere junge Menschen. Betroffen sind vor allem Jugendliche und junge Erwachsene. Teilweise werden die Vorfälle mit Mobiltelefonen gefilmt und anschließend im Internet verbreitet.

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Banden-Mitglieder sind minderjährig

Die Gruppen bestehen überwiegend aus Minderjährigen. Viele der Beteiligten sind zwischen 13 und 17 Jahre alt und damit noch nicht voll strafmündig nach Erwachsenenrecht. In sozialen Netzwerken präsentieren sich manche mit Waffen oder orientieren sich an kriminellen Jugendbanden aus dem Ausland.

Nach mehreren Zwischenfällen entlang der Strandpromenade und auf zentralen Plätzen zog die Präfektur die Konsequenzen. In Jesolo, aber auch in Venedig und Chioggia, werden sogenannte rote Zonen eingerichtet. Die Regelung gilt ab Samstag bis zum 23. August. Zusätzlich wurde die Zahl der eingesetzten Polizisten deutlich erhöht.

Der Bürgermeister von Jesolo, Christofer De Zotti, fand dazu klare Worte: "Weg mit dem Abschaum!"

Den Behörden zufolge wurden bereits rund 500 Verdächtige identifiziert. Immer wieder gerieten auch unbeteiligte Passanten und Touristen in die Auseinandersetzungen. Jugendliche wurden angepöbelt oder attackiert, obwohl sie mit den Gruppen nichts zu tun hatten.

Fehlende Perspektive, soziale Probleme

Viele der jungen Täter stammen laut Berichten aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Oft handelt es sich um in Italien geborene Kinder von Einwanderern aus Nordafrika. Experten sehen hinter der Entwicklung fehlende Perspektiven, soziale Probleme und die Suche nach Zugehörigkeit. Anders als klassische mafiöse Organisationen verfügen die Gruppen meist nicht über feste Hierarchien oder klare Strukturen.

Jugendkriminalität beschäftigt Italien bereits seit Jahren. Die Zahl der Anzeigen gegen Minderjährige stieg zuletzt deutlich an. Das Spektrum reicht von Drohungen und Körperverletzungen bis hin zu Raub, Drogenhandel und schweren Gewaltverbrechen.

Pädagogen und Psychologen fordern mehr Präventionsarbeit und soziale Unterstützung für gefährdete Jugendliche. Viele orientierten sich an problematischen Vorbildern aus der Rap-Szene und würden Gewalt verherrlichen.

Angriffe auf junge Frauen

Für viele Betroffene sind solche Erklärungen allerdings wenig tröstlich. Die konservative Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni steht deshalb unter Druck und setzt verstärkt auf sichtbare Polizeipräsenz und harte Einsätze.

Für internationales Aufsehen sorgten ähnliche Vorfälle bereits am Gardasee. Im Ferienort Peschiera versammelten sich im Sommer Hunderte Jugendliche, es kam zu Ausschreitungen, Sachbeschädigungen und Angriffen auf junge Frauen. Augenzeugen berichteten damals von chaotischen Szenen, ehe Spezialeinheiten eingriffen und die Menschenmenge mit Tränengas zurückdrängten.

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