In Schweden werden immer öfter Kinder und Jugendliche von kriminellen Banden für schwere Straftaten angeworben. Die Täter sind oft erst 13 oder 14 Jahre alt und werden für Anschläge, Schüsse auf offener Straße oder sogar Auftragsmorde eingesetzt.
Bislang sind Kinder unter 15 Jahren nach schwedischem Recht nicht strafmündig und fallen in die Obhut von Sozialdiensten. Jetzt will die schwedische Regierung bei besonders schweren Verbrechen wie Mord, Totschlag oder Bombenanschlägen testweise die Strafmündigkeit auf 13 Jahre senken. Das Parlament entscheidet Mitte Juni über die geplante Reform, die nach fünf Jahren evaluiert werden soll.
Künftig sollen auch 15- bis 17-Jährige bei schweren Straftaten zu regulären Gefängnisstrafen in speziell angepassten Jugendabteilungen verurteilt werden können. Auch andere EU-Staaten diskutieren derzeit über niedrigere Altersgrenzen.
In Ländern wie Deutschland, Spanien oder Österreich bleibt die Grenze bei 14 Jahren. Hier kommen auf junge Täter zwar keine strafrechtlichen Konsequenzen zu, aber Jugendhilfe und erzieherische Maßnahmen können zur Anwendung kommen.
Experten betonen, dass niedrigere Altersgrenzen nicht automatisch zu weniger Jugendkriminalität führen. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Kinder und junge Jugendliche noch nicht die Fähigkeit zur langfristigen Planung oder Impulskontrolle besitzen. Klassische Abschreckung durch Haftstrafen wirkt daher kaum.
Kritiker warnen zudem, dass Banden auf noch jüngere Kinder ausweichen könnten, falls das Strafalter gesenkt wird. Schwedens Rechtsausschuss, die Anwaltskammer und mehrere Hilfsorganisationen äußerten sich skeptisch gegenüber der Reform. Sollte sie dennoch beschlossen werden, könnten 13-Jährige in Schweden ab dem Spätsommer zu Gefängnisstrafen verurteilt werden.