Der Streit um sogenannte Gastpatienten in Wiener Spitälern spitzt sich weiter zu. Bürgermeister Michael Ludwig und Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (beide SPÖ) wollen den Anteil von Patienten aus anderen Bundesländern deutlich senken. Hintergrund sind hohe Kosten und immer längere Wartezeiten auf Operationen – "Heute" berichtete.
Vor allem in stark nachgefragten Fächern wie Orthopädie, Augenheilkunde oder Brustchirurgie sorgt der Andrang für Probleme. Patienten mit Hauptwohnsitz in Niederösterreich oder im Burgenland sollen deshalb – wenn es sich nicht um Notfälle handelt – verstärkt an Spitäler in ihren Heimatbundesländern verwiesen werden.
Wie mehrere Primarärzte nun in der "Presse" berichten, sollen Abteilungen mit besonders vielen Gastpatienten künftig mit weniger Ressourcen auskommen müssen. Konkret heißt das: Stellen werden nicht nachbesetzt und Betten reduziert, wenn der Anteil der Gastpatienten nicht deutlich sinkt. In manchen Abteilungen liegt dieser derzeit bei über 20 Prozent, erlaubt wären je nach Klinik nur zehn bis 15 Prozent.
Unter Ärzten sorgt diese Vorgangsweise für massiven Ärger. Viele fühlen sich unter Druck gesetzt und sehen sich in einem schwierigen Konflikt: Einerseits sollen sie Personal und Betten ihrer Abteilungen sichern, andererseits möchten sie bei der Behandlung keine Unterschiede zwischen Patienten aus Wien und jenen aus anderen Bundesländern machen.
Die Stadt Wien weist den Vorwurf von direkten Anweisungen zurück. Ein Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker verweist gegenüber "Heute" auf den Regionalen Strukturplan Gesundheit, der klare Ziele bis 2030 vorsieht. Ziel sei es, die Zahl der Gastpatienten deutlich zu senken: "also auf ungefähr die Hälfte der derzeitigen Anzahl. So gesehen gibt es Vorgaben der Stadt Wien. Im WIGEV entwickeln sich die Gastpatientenzahlen entsprechend, die konkreten Maßnahmen sind natürlich Aufgabe des operativen Geschäfts. Hier gibt es keine Anweisungen vonseiten der Stadt." Wie die Vorgaben der Stadt erfüllt werden, sei Sache des Managements, betont der Sprecher.
Auch der Wiener Gesundheitsverbund betont, dass man auf Zusammenarbeit setze. Man gehe "seit jeher einen konsensualen Weg". Das bedeute: "Das Behandlungsteam sucht den frühzeitigen und partnerschaftlichen Dialog mit den Patienten und prüft gemeinsam, ob es organisatorisch sinnvoll und medizinisch vertretbar ist, Nachbehandlungen oder geplante Eingriffe wohnortnah durchzuführen." Die von Primarärzten geschilderten Maßnahmen könne der Wigev "nicht bestätigen und auch nicht nachvollziehen".
Und weiter: "Bei den Schilderungen handelt es sich aus unserer Sicht um Gerüchte. Diese können wir nicht bestätigen. Sie sind auch schwer nachvollziehbar, da der Großteil der Abteilungen im Wiener Gesundheitsverbund – im Vergleich zu anderen Spitalsbetreibern – eine niedrigere Rate an Gastpatient*innen hat (siehe Anhang). Wir sehen auch keinen Zusammenhang zur Bettenzahl. Diese ist im RSG 2030 festgelegt und wird ganz unabhängig von den Gastpatient*innen schrittweise umgesetzt."
Auch private Spitäler sind betroffen. So erklärte ein Sprecher des Orthopädischen Spitals Speising, das zur Vinzent Gruppe gehört: "Das Orthopädische Spital Speising wird vom Wiener Gesundheitsfonds finanziert und handelt im Auftrag der Stadt Wien. Wir sind daher verpflichtet, in erster Linie die Versorgung der Wiener Bevölkerung sicherzustellen, was wir in Schreiben an vorgemerkte Patienten aus den anderen Bundesländern daher zur besseren Orientierung auch kommuniziert haben."