Sophie (13) aus dem Bezirk Wiener Neustadt hat die letzte Etappe des Schuljahres geschafft: Das schwer kranke Mädchen hat nun alle Jahresprüfungen absolviert und dieses Schuljahr damit endgültig bestanden. Doch die Erleichterung wird von großer Sorge überschattet.
Sophie ist seit einer COVID-Infektion vor fünf Jahren schwer am Erschöpfungssyndrom ME/CFS erkrankt, bettlägerig und laut Attest transportunfähig. Wie "Heute" berichtete, sollte sie ihre Prüfungen plötzlich in der Schule schreiben – obwohl zuvor jahrelang Heimunterricht möglich war und Lehrer zu ihr nach Hause kamen.
Nach öffentlichem Druck bot die Bildungsdirektion Sophie an, die Leistungsüberprüfungen schließlich digital von zu Hause aus zu machen. Ironisch: Vom Fach "Digitale Grundbildung" ist Sophie befreit. Der Unterricht vor dem Bildschirm wäre zu anstrengend. Prüfungen soll sie nun dennoch am Bildschirm absolvieren.
Für Volksanwalt Christoph Luisser war das aber nur eine Notlösung: Wegen ihrer Licht- und Geräuschempfindlichkeit ist Bildschirmarbeit für Sophie kaum möglich und ein gesundheitliches Risiko. Sitzt sie einmal zu lange vor einem Bildschirm, kann das wochenlange Schwindel- und Schmerzanfälle nach sich ziehen.
Im "Heute"-Gespräch schildert Sophies Mutter nun, wie hart die vergangenen Wochen waren: "Wir haben erst Mitte Juni die Prüfungstermine bekommen: Gleich 13 Online-Prüfungen binnen zwei Wochen. Am Mittwoch hatte sie noch Matheprüfung, am Donnerstag Religion. Am Tag darauf, Freitag, zu Schulschluss, kann ich ihr Zeugnis von der Schule abholen. Sophie hat sogar gute Noten – trotz widrigster Umstände!"
Schriftlich sei die Mittelschülerin gut gewesen, im mündlichen Teil habe sie aber Punkte verloren, "weil sie aufgrund ihrer chronischen Belastungskrankheit zu dem Zeitpunkt nicht mehr gut sprechen konnte", sagt ihre Mutter.
Der Preis für ihren Schulerfolg war hoch: Durch den enormen Prüfungsstress haben sich Sophies Symptome verschlimmert. Sie würde jetzt unter mehr Schwindel leiden, mehr Schmerzen und könne aus Erschöpfung kaum sprechen.
"Wir sind erleichtert, dass sie das Jahr jetzt gleichzeitig mit ihrer Klasse absolvieren konnte", sagt die Mutter. Gleichzeitig bleibt bei ihr Groll: "Mein Kind wird nicht gesehen." Ihr wäre lieber gewesen, Sophie hätte unter dem Jahr laufend Schularbeiten schreiben können – so, wie ihre Klassenkameraden in der Schule auch.
Auch FPÖ-Bildungssprecher Helmut Fiedler kritisiert den Umgang mit dem Fall: "Ein krankes Kind darf nicht auch noch vom System krank gemacht werden. Wer Bildung ernst nimmt, muss Lösungen finden, nicht Ausreden suchen."
Sophie hat dieses Schuljahr nun fix bestanden. Unklar ist aber, wie sie im kommenden Schuljahr geprüft wird – und ob wieder Lehrer zu ihr nach Hause unterrichten kommen dürfen. Bis dahin wird die 13-Jährige aber den Sommer zu ihrer Regeneration nützen müssen.