ME/CFS steht für Myalgische Enzephalomyelitis beziehungsweise Chronisches Fatigue-Syndrom. Es handelt sich um eine schwere, chronische Erkrankung, die Nerven- und Immunsystem betrifft.
Oft beginnt sie nach einem Infekt – zum Beispiel nach Pfeifferschem Drüsenfieber oder auch nach einer Corona-Infektion. Wie 20 Minuten berichtet, kann schon eine scheinbar harmlose Krankheit der Auslöser sein.
Typisch für ME/CFS ist eine anhaltende, krankhafte Erschöpfung, die sich auch durch Schlaf oder Ruhe nicht bessert. Besonders auffällig: Schon geringe körperliche oder geistige Anstrengung kann zu einer massiven Verschlechterung führen. Das nennt sich Belastungsintoleranz oder auch Post-Exertional Malaise (PEM).
Dazu kommen Beschwerden wie Schlafprobleme, Muskel- und Gelenkschmerzen, starkes Krankheitsgefühl, Konzentrations- und Wortfindungsstörungen (viele sprechen vom berühmten "Brain Fog"), sowie eine Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm und anderen Reizen. Viele kämpfen zusätzlich mit Kreislaufproblemen, Schwindel, Herzrasen oder schwankendem Blutdruck.
Long Covid ist ein Überbegriff für Beschwerden, die nach einer Corona-Infektion länger anhalten. Das Spektrum reicht von Atemnot über neurologische Symptome bis zu chronischer Müdigkeit – und ist sehr breit.
ME/CFS hingegen ist eine klar definierte Krankheit mit international anerkannten Diagnosekriterien. Viele, die nach einer Corona-Infektion schwer erkranken, erfüllen diese Kriterien und entwickeln ein sogenanntes Post-Covid ME/CFS.
Laut Schätzungen fällt etwa die Hälfte der schweren Long-Covid-Fälle in diese Kategorie.
Der Verlauf ist von Person zu Person unterschiedlich. Grundsätzlich unterscheidet man drei Schweregrade:
Mild: Der Alltag ist eingeschränkt, aber eine Teilzeitbeschäftigung ist oft noch möglich.
Moderat: Die Betroffenen sind meist ans Zuhause gebunden. Selbst einfache Tätigkeiten wie Kochen oder Duschen werden zur Kraftprobe.
Schwer bis sehr schwer: Die Erkrankten sind ans Bett gefesselt, extrem licht- und lärmempfindlich und auf dauerhafte Pflege angewiesen.
Wie stark die Lebensqualität unter ME/CFS leidet, zeigt eine Studie der Universität Aalborg aus dem Jahr 2015: Die Lebensqualität von ME/CFS-Betroffenen liegt im Durchschnitt sogar unter jener von Menschen mit Multipler Sklerose, Lungenkrebs oder nach einem Schlaganfall.
ME/CFS kann grundsätzlich Menschen jeden Alters treffen. Besonders oft erkranken aber Jugendliche oder Erwachsene ab dem dritten Lebensjahrzehnt. Frauen trifft es deutlich häufiger als Männer – das Verhältnis liegt laut Studien bei etwa 3 zu 1.
In den meisten Fällen beginnt ME/CFS nach einer Virusinfektion. In den letzten Jahren gab es immer mehr Berichte über Krankheitsverläufe nach einer Corona-Infektion.
ME/CFS ist laut vielen Fachleuten und auch Politikern, die sich mit dem Thema beschäftigen, bis heute viel zu wenig erforscht. Jahrzehntelang hielt man die Krankheit fälschlicherweise für eine psychische Störung. Dadurch fehlten wichtige Gelder für die medizinische Forschung.
Weil es bislang keine ursächliche Behandlung gibt, können nur die Symptome gelindert werden. Schlafprobleme, Schmerzen oder Kreislaufbeschwerden werden gezielt behandelt, verschwinden aber meistens nicht ganz.
Eine große Rolle spielt das sogenannte Pacing. Das bedeutet, die eigene Energie ganz bewusst einzuteilen und Überanstrengung strikt zu vermeiden. Nur so lassen sich schwere Rückschläge – sogenannte "Crashes" – verhindern oder zumindest abmildern.
Da ME/CFS nicht meldepflichtig ist, gibt es keine offiziellen Zahlen. Außerdem wird die Krankheit oft nicht erkannt oder mit anderen Diagnosen – etwa Depression – verwechselt. Das erschwert nicht nur die Statistik, sondern auch die nötige Unterstützung für die Betroffenen.
Patientenorganisationen schätzen, dass in Österreich 26.000 bis 80.000 Menschen betroffen sind. Das ist eine Verdreifachung seit Beginn der Pandemie. Über 850.000 Personen leiden zusätzlich an Long Covid, viele davon mit Symptomen eines ME/CFS. Weltweit geht man von mehreren Millionen Erkrankten aus.