Wie groß ein Mensch einmal wird, beschäftigt viele Eltern schon früh. Die gute Nachricht: Die Körpergröße ist kein Zufall. Sie hängt stark von den genetischen Anlagen ab – lässt sich also zumindest grob vorhersagen. Gleichzeitig spielen auch Umweltfaktoren eine wichtige Rolle.
Die Körpergröße eines Menschen ist zu einem großen Teil genetisch festgelegt. Schätzungen zufolge werden rund 70 bis 80 Prozent der späteren Größe durch die Gene bestimmt.
Das bedeutet: Kinder orientieren sich meist an der Größe ihrer Eltern – sind aber nicht zwangsläufig gleich groß.
Der Kinderarzt Dr. Norbert Joch vom Evangelischen Klinikum Bethel in Deutschland erklärt in seinem Instagram-Video eine einfache Formel, mit der sich die voraussichtliche Körpergröße abschätzen lässt:
"Wenn der Vater 182 cm groß ist und die Mutter zum Beispiel 168 cm, dann kann man durch Addieren der Elterngrößen, geteilt durch 2 – für die Söhne plus 6,5 cm, für Töchter minus 6,5 cm – die genetische Zielgröße ausrechnen."
Das wäre in diesem Fall dann für die Söhne eine Endgröße von 181,5 cm.
"Natürlich werden, auch wenn die Familie mehrere Söhne hat, nicht alle gleich groß. Deshalb gibt es eine Streubreite. Und die ist nach oben und unten plus 8,5 cm. Bei den Söhnen hieße das dann in diesem Beispiel ein Größenspektrum zwischen 190 cm bis 173 cm. Das ist der sogenannte genetische Zielgrößenbereich."
Besonders wichtig ist eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen. Chronische Erkrankungen oder Mangelernährung können das Wachstum hingegen bremsen.
Die durchschnittliche Körpergröße ist in den letzten Jahrzehnten leicht gestiegen – unter anderem durch bessere Lebensbedingungen.
Das Wachstum endet, wenn sich die sogenannten Wachstumsfugen in den Knochen schließen. Das ist bei Mädchen meist mit etwa 15 bis 17 Jahren, bei Buben meist mit etwa 17 bis 19 Jahren.
Heute lassen gesunde Menschen (Männer wie Frauen) Vergrößerungsoperationen – also Eingriffe zur künstlichen Verlängerung der Körpergröße – durchführen. Die Gründe sind oft psychologischer Natur: Wunsch nach mehr Selbstbewusstsein, gesellschaftlicher Druck oder Schönheitsideale. Experten warnen jedoch: Die Erwartungen an solche Eingriffe sind oft unrealistisch.
Dabei handelt es sich meist um sogenannte Gliedmaßenverlängerungen. Ursprünglich wurden sie in der Medizin eingesetzt, um Fehlbildungen, Beinlängendifferenzen und schwere Wachstumsstörungen zu behandeln.
So kann die Körpergröße um mehrere Zentimeter zunehmen – meist 5 bis 8 cm, selten mehr.
Theresia Fischer, bekannt aus Reality-TV-Formaten wie "Germany’s Next Topmodel", hat 2016 eine solche Beinverlängerung durchführen lassen. Acht Jahre dauerte das schmerzhafte Prozedere, bis ihre Beine 14 Zentimeter länger waren. Laut ihren eigenen Aussagen stand dabei kein medizinischer Grund, sondern vor allem ein persönlicher und äußerer Druck im Vordergrund. Fischer erklärte, dass ihr Ex-Partner sie stark dazu gedrängt habe und ihr wiederholt eingeredet wurde, sie sei "zu klein". Durch diese Aussagen habe sie begonnen, an sich selbst zu zweifeln und den Wunsch entwickelt, größer zu sein. Wie bei vielen Betroffenen spielte auch ein gesellschaftliches Idealbild eine Rolle – größer = attraktiver.
Mittlerweile hat sich ihre Haltung deutlich verändert. Sie spricht offen darüber, dass sie die Entscheidung bereut. Sie betont, wie extrem belastend der Eingriff war – körperlich und psychisch – und möchte andere davor warnen, solche Entscheidungen unter Druck zu treffen. Fischer stellt klar, dass die OP kein einfacher "Beauty-Eingriff", sondern ein schwerwiegender medizinischer Prozess ist.